Publiziert von: Christoph Knoch
Bereitgestellt: 26.06.2026
Wir sind gut im Diskutieren, aber schlecht im Verändern. Diese Selbsterkenntnis der Evangelischen Kirche im Rheinland (2021) fasst in etwa zusammen, was uns das Buch von Sandra Bils über systemisches Management nahelegen will, nach einem Stichwort, das in den Diskussionen über die Zukunft der Kirche und ihre Weiterentwicklung immer wieder auftaucht: «Exnovation»… also: Raum schaffen für Neues. Pablo Picasso sagte es ja: «Jeder Akt der Schöpfung ist zuerst ein Akt der Zerstörung».
Jean-Eric Bertholet,
Raum schaffen
Auch mit Innovationen kann man sich überfordern, in einer Dynamik des immer mehr.
Es ist ja die Frage nach den knapp werdenden Ressourcen und wo sie dann investiert werden sollen. «Wir müssen exnovieren, Aufgaben und Arbeitsbereiche verabschieden, um Freiräume zu gewinnen» (S. 119). «Wenn wir das System ausmisten, bekommen wir wieder Luft zum Atmen, zur Bewegung, zum Neu-Denken und Handeln» (S. 171).
Dennoch geht das nicht ohne » Trauer und Abschiedsprozesse. Merkwürdig, dass die Kirche, die gerne behauptet darin Expertin zu sein, damit solche Mühen hat.
Denn es gilt doch eine Dynamik zu finden zwischen Traditionsbewahrung und Innovationen…
Mehr: Sandra Bils, Gudruna L. Töpfer Exnovation und Innovation, Synergie von Ende und Anfang in Veränderungen, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2024
Das Handbuch
Zwar ist ein ganzes Kapitel der Exnovation im kirchlichen Kontext gewidmet (S. 109-137), und einige Seiten über Exnovation in sozialen Organisationen (S.169ff), bei der Konfliktforschung (S. 177ff) oder der Deutschen Bahn (S. 179ff). Aber die Perspektive ist viel breiter und knüpft an Wirtschaftstheorien an: weniger ist mehr (Degrowth- bzw. Postwachstumansätze (S. 102). Die Risiken werden analysiert (S. 103ff) und auch die Kipppunkte (Beispiele S. 100ff). Aber auch eine ausbleibende Exnovation birgt Risiken.
Phasen der Exnovation, Phasen der weiteren Entwicklung werden analysiert, mitsamt den Kipppunkten. Und dann noch die Langzeitperspektive dazu, anhand des Ausstiegs von den Ozon schädigenden FCKW: eine eindrückliche Tabelle der ersten Anzeichen dieser beschädigenden Wirkung schon 1957, bis zum Verbot von FCKW 1987, zu den ersten Zeichen einer Erholung der Ozonschicht 2012 und eine mögliche totale Erholung, wahrscheinlich im Jahre… 2066… (S. 83).
Eine weitere Tabelle
Für Exnovation muss auch geworben werden, nicht nur mit sachlichen, nüchternen Argumenten. Ihre extrem emotionale Seite muss unbedingt beachtet werden: der oben schon erwähnte Trauerprozess, Abschied von Liebgewordenem, die potentiellen Verluste durch Veränderung des Status quo (Verlustaversion!)… Oft werden sie höher bewertet als der potenzielle Gewinn… Menschen bewerten Dinge, die sie besitzen, höher als Dinge, die sie nicht besitzen (S. 95).
Ein breitangelegter, gut durchdachter Partizipationsprozess soll diese Exnovationen begleiten (S. die Tabelle S. 131, mit unterschiedlichen Aspekten: Kommunikation, Kultur, Ressourcen, Vernetzung…). Synergien, Entlastung, Streichungen: Exnovation sei ein langer Lernprozess, der nicht mit einer einmaligen Aktion abgeschlossen sei, sondern fortlaufend geübt werden wolle (S. 133).
Hier habe ich also nur über einige konkrete Punkte dieses spannenden Buches berichtet, dessen Theorie Teil noch viel breiter (und überzeugender!) ist (die Phasen, die Akteure, die Governance… usw.). Ein Handbuch, das in vielen Hände gehören würde.
und übrigens…
Hier sei noch ein zweites Handbuch empfohlen, denn ich staune immer wieder, wieviel schon vor einiger Zeit diskutiert und vorgedacht wurde jedoch, ohne dass all diese Impulse unter uns PfarrerInnen angekommen sind. Ich möchte hier kurz vom Handbuch für Kirchen- und Gemeindeentwicklung berichten. Zahlreich sind die Themen unserer News Letters, die schon in diesem Buch angesprochen wurden: Volkskirche, Kirche bei neuen Gelegenheiten, inklusive Gemeindeentwicklung, solidarische und global engagierte Gemeinde, Arbeit mit neuen Zielgruppen, Pfarrberuf und Pfarramt, und dies nicht nur auf die Gemeinde konzentriert, denn es gilt, auch neue Formen der Zusammenarbeit, neue «Ebenen» und «Orte» zu entdecken (Hans Strub, S. 297). Hier sei also auf diese Fundgrube hingewiesen, deren Überlegungen und Impulse doch schon einige Früchte getragen haben.
Mehr: Ralph Kunz / Thomas Schlag (Hg.) Handbuch für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, Neukirchen 2014, 557 Seiten.
Auch mit Innovationen kann man sich überfordern, in einer Dynamik des immer mehr.
Es ist ja die Frage nach den knapp werdenden Ressourcen und wo sie dann investiert werden sollen. «Wir müssen exnovieren, Aufgaben und Arbeitsbereiche verabschieden, um Freiräume zu gewinnen» (S. 119). «Wenn wir das System ausmisten, bekommen wir wieder Luft zum Atmen, zur Bewegung, zum Neu-Denken und Handeln» (S. 171).
Dennoch geht das nicht ohne » Trauer und Abschiedsprozesse. Merkwürdig, dass die Kirche, die gerne behauptet darin Expertin zu sein, damit solche Mühen hat.
Denn es gilt doch eine Dynamik zu finden zwischen Traditionsbewahrung und Innovationen…
Mehr: Sandra Bils, Gudruna L. Töpfer Exnovation und Innovation, Synergie von Ende und Anfang in Veränderungen, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2024
Das Handbuch
Zwar ist ein ganzes Kapitel der Exnovation im kirchlichen Kontext gewidmet (S. 109-137), und einige Seiten über Exnovation in sozialen Organisationen (S.169ff), bei der Konfliktforschung (S. 177ff) oder der Deutschen Bahn (S. 179ff). Aber die Perspektive ist viel breiter und knüpft an Wirtschaftstheorien an: weniger ist mehr (Degrowth- bzw. Postwachstumansätze (S. 102). Die Risiken werden analysiert (S. 103ff) und auch die Kipppunkte (Beispiele S. 100ff). Aber auch eine ausbleibende Exnovation birgt Risiken.
Phasen der Exnovation, Phasen der weiteren Entwicklung werden analysiert, mitsamt den Kipppunkten. Und dann noch die Langzeitperspektive dazu, anhand des Ausstiegs von den Ozon schädigenden FCKW: eine eindrückliche Tabelle der ersten Anzeichen dieser beschädigenden Wirkung schon 1957, bis zum Verbot von FCKW 1987, zu den ersten Zeichen einer Erholung der Ozonschicht 2012 und eine mögliche totale Erholung, wahrscheinlich im Jahre… 2066… (S. 83).
Eine weitere Tabelle
Für Exnovation muss auch geworben werden, nicht nur mit sachlichen, nüchternen Argumenten. Ihre extrem emotionale Seite muss unbedingt beachtet werden: der oben schon erwähnte Trauerprozess, Abschied von Liebgewordenem, die potentiellen Verluste durch Veränderung des Status quo (Verlustaversion!)… Oft werden sie höher bewertet als der potenzielle Gewinn… Menschen bewerten Dinge, die sie besitzen, höher als Dinge, die sie nicht besitzen (S. 95).
Ein breitangelegter, gut durchdachter Partizipationsprozess soll diese Exnovationen begleiten (S. die Tabelle S. 131, mit unterschiedlichen Aspekten: Kommunikation, Kultur, Ressourcen, Vernetzung…). Synergien, Entlastung, Streichungen: Exnovation sei ein langer Lernprozess, der nicht mit einer einmaligen Aktion abgeschlossen sei, sondern fortlaufend geübt werden wolle (S. 133).
Hier habe ich also nur über einige konkrete Punkte dieses spannenden Buches berichtet, dessen Theorie Teil noch viel breiter (und überzeugender!) ist (die Phasen, die Akteure, die Governance… usw.). Ein Handbuch, das in vielen Hände gehören würde.
und übrigens…
Hier sei noch ein zweites Handbuch empfohlen, denn ich staune immer wieder, wieviel schon vor einiger Zeit diskutiert und vorgedacht wurde jedoch, ohne dass all diese Impulse unter uns PfarrerInnen angekommen sind. Ich möchte hier kurz vom Handbuch für Kirchen- und Gemeindeentwicklung berichten. Zahlreich sind die Themen unserer News Letters, die schon in diesem Buch angesprochen wurden: Volkskirche, Kirche bei neuen Gelegenheiten, inklusive Gemeindeentwicklung, solidarische und global engagierte Gemeinde, Arbeit mit neuen Zielgruppen, Pfarrberuf und Pfarramt, und dies nicht nur auf die Gemeinde konzentriert, denn es gilt, auch neue Formen der Zusammenarbeit, neue «Ebenen» und «Orte» zu entdecken (Hans Strub, S. 297). Hier sei also auf diese Fundgrube hingewiesen, deren Überlegungen und Impulse doch schon einige Früchte getragen haben.
Mehr: Ralph Kunz / Thomas Schlag (Hg.) Handbuch für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, Neukirchen 2014, 557 Seiten.
