Pfarrpersonen im Amt und zurück an die Universitäten

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Das vom SRPV initiierte Projekt « Pfarrpersonen zurück an die Uni» hat das Ziel, Pfarrpersonen, Studierende und universitäre Lehrkräfte an konkreten Veranstaltungen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Martin Hauser,
Die Tagung des SRPV in Kappel vom 22./23.9.24 zum Thema „Was bleibt der Uni?“ zeigte, die Beziehungen zwischen theologischen Fakultäten und Pfarrpersonen werden gesucht, manchmal gepflegt, manchmal vernachlässigt, erscheinen aber angesichts der nur mässigen Studierendenzahl, des Pfarrmangels und des Prestigeverlustes der Kirche in der Gesellschaft als überlebenswichtig.
Das vom SRPV initiierte Projekt « Pfarrpersonen zurück an die Uni» hat das Ziel, Pfarrpersonen, Studierende und universitäre Lehrkräfte an konkreten Veranstaltungen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Nachdem sich auf einen ersten Aufruf über 70 Interessierte gemeldet haben, wurden im vergangenen Herbstsemester in Basel und in Zürich jeweils im theologischen Seminar drei Angebote gemacht, die bereits benutzt wurden. Und wir können schon erste Erfolge feststellen.
In Zürich war es eine Genesis-Vorlesung, in Basel eine Vorlesung über den Galaterbrief und ein Seminar zur praktischen Theologie im Spannungsfeld von Psychologie und Seelsorge. Manchmal noch während der Vorlesung, manchmal erst nachher oder nachher noch weiter fanden Gespräche mit den Studierenden statt.
Dabei war zu entdecken, wie praktisches, theologisch inspiriertes Vorgehen und Lehre einander befruchten können. Das haben wir in den Gesprächen mit den Studierenden und Lehrenden klar feststellen können. Einerseits begrüssten sie das Interesse an ihrem Studiengang, dazu aber explizit auch den gemeinsamen Austausch über das Gehörte und die Anwendbarkeit in der Gemeindepraxis. Dass unser Vorgehen, Studierende (selber oft aus freikirchlichem Milieu stammend) anspornt, in den öffentlich anerkannten Kirchen (Landeskirchen) als Pfarrerinnen und Pfarrer zu arbeiten, ist eine berechtigte Hoffnung. Wir hoffen auch, dass das Echo dieses spannenden Verfahrens weitere KollegInnen anregt, von ihrer Praxis aus neu die Universitätstheologie und das Pfarramt in den Blick zu bekommen. Nach der grossen empirischen Wende in der Theologie in den sechziger Jahren gibt es heute in vielen theologischen Disziplinen ähnliche Umbrüche und neue Ansätze.
Die Genesisvorlesung in Zürich war philologisch-literarisch äusserst spannend. Dass die beiden Schöpfungsberichte nicht mehr so klar in vor oder nach dem Exil unterschieden werden können, weil sie sich zum Teil gegenseitig bedingen, war eine solche neue Erkenntnis. Wie mit solchen Resultaten theologisch und praktisch umgehen, wurde gar während der Vorlesung dank der Intervention eines Studenten und einer Pfarrerin intensivst diskutiert.
Die neutestamentliche Galaterbriefvorlesung in Basel war eine minutiöse Text- und auch Kontextanalyse, verglichen mit zeitgenössichen philosophischen Schriften und verbunden mit profunden theologischen und existentiellen Erkenntnissen. Eine Pfarrperson stellte mit grosser Genugtuung fest, wie wohl es tue, in Distanz zur alltäglichen (heftigen) Tätigkeit, sich einen theologisch-existentiellen Gesamtzusammenhang (erneut) ruhig bewusst zu machen - gerade dank der Universitätsarbeit.
Der Teilbesuch des praktisch-theologischen Seminars
« Auf der Grenze. Existentielle und religiöse Themen in Seelsorge und Spiritual» in Basel war insbesondere den Themata ‘Negativität’ und ‘Einsamkeit’ gewidmet. Dass an dem Seminar sowohl (angehende) Theologen und (angehende) Psychologinnen teilnahmen, war eine glückliche und gewiss als solche beabsichtigte Kombination. Die beiden Professorinnen verstanden es, psychologisch und theologisch Existentielles mit Theoretischem zu verbinden. Für Studierende war das gewiss anspornend, für Pfarrpersonen bestätigend und auffangend. Das haben auch die anschliessenden Gespräche gezeigt.

Das Programm soll nun im FS 2026 weitergehen und über die schon kooperierenden Universitäten hinaus mindestens auch Bern und Genf miteinbeziehen. Wir freuen uns an allen Orten über noch neue Teilnehmende!
Die FS-Programme werden demnächst angekündigt.
La possibilité de fréquentation de quelques cours ou séminaires à l’Université de Genève au SP 2026 sera communiquée prochainement. Les diacres et pasteur-e-s seront très bien venus!

Für den Vorstand SRPV,
Martin Hauser, Hansjakob Schibler