Publiziert von: Mark Haltmeier
Bereitgestellt: 07.03.2014
Kirchenblatt und Pfarrverein
Das Kirchenblatt für die reformierte Schweiz und der Schweizerische Pfarrverein waren von Anfang an eng miteinander verbunden. Von 1976 – 86 war das Kirchenblatt offizielles deutschsprachiges Publikationsorgan des Pfarrvereins.
Hans Ulrich Jäger-Werth
Es wurde auch an einer Tagung der Schweizer Predigergesellschaft am 14. August 1844 in St. Gallen gegründet. Der Basler Kirchenhistoriker Karl Rudolf Hagenbach wurde der erste Hauptredaktor. Er redigierte das Blatt von 1845 – 1868. Ab 1848 beteiligten sich auch der Zürcher Georg Finsler und später der Berner Albrecht Rudolf Rüetschi an der Redaktion. Sie alle gehörten zu den Vermittlern, die von Schleiermacher beeinflusst waren. Sie standen zwischen den damals unversöhnlichen Reformern und Positiven. Nach Hagenbach sollte das Kirchenblatt „nicht eine wissenschaftliche Zeitschrift, sondern ein kirchliches Blatt“ sein, „welches die Verhältnisse der Kirche beleuchtet, die Geister für ihr Wohl anregt, auf die Bedürfnisse und Gebrechen der Kirche hinweist und bessere Zustände für die Kirche anbahnen hilft. Sein Charakter sei dabei nicht farblos, sondern trage ein bestimmtes Gepräge. Das schliesse ein, dass die Gegenstimme zum Zuge kommen soll“, berichtet Hans Riniker in einem Standortartikel, als er Anfang 1971 das Amt des Hauptredaktors übernahm. Riniker lädt in jenem Artikel aber auch die wissenschaftlichen Theologen ein, über ihre Anliegen zu berichten. Das Kirchenblatt bildete so ein Forum für das theologische Gespräch in der Kirche und den Austausch zwischen Theologie und Kirche – dem diente auch der breite Rezensionsteil.
Wandlungen und Krisen
Das Blatt wurde erst von der Kirchenblattgesellschaft herausgegeben, die jeweils anlässlich der Tagungen des Pfarrvereins alle zwei Jahre ihre Versammlung durchführte. 1963 gelang es den Berner Alttestamentler Johann Jakob Stamm für die Leitung des Vorstandes zu gewinnen. Ab 1972 wurde ein Herausgeberkreis Träger des Blattes. Das Kirchenblatt war in den 30er Jahren dem Trend der Zeit folgend unter den Einfluss der Barthianer geraten und wurde von vielen als Richtungsblatt empfunden. Stamm bemühte sich für Redaktion und Herausgeberkreis jüngere Theologen zu gewinnen. 1972 wurde mit Leni Altwegg die erste Frau in den Herausgeberkreis gewählt. Ihr folgten später noch weitere.
Auf Ende 1973 trat Johann Jakob Stamm als Präsident zurück und ich rückte nach. Es war eine zweifelhafte Ehre. Das Kirchenblatt bestand schon 130 Jahre und ich hatte ständig Angst, es würde unter meiner Leitung eingehen. Infolge gestiegener Produktionskosten, musste der Abonnementspreis immer wieder erhöht werden. Zudem gab es nur eine beschränkte Anzahl deutschsprachiger Pfarrer, die erreicht werden konnten. Andererseits war ich von der Notwendigkeit des Kirchenblattes als Gesprächsforum überzeugt. Denn die permanente theologische Diskussion ist m.E. das Lehramt der reformierten Kirche, da kristallisieren sich die vorherrschenden Meinungen heraus – manchmal sind es auch zwei Stränge. Wenn die Schweizer Kirchen keine solchen Foren haben, werden sie führungslos. Wir versuchten in zwei Richtungen zu gehen: 1. Es galt noch mehr, das Kirchenblatt aus einem Richtungsblatt zu einer allen zugänglichen Plattform zu entwickeln. Dazu mussten das Redaktionsteam und der Herausgeberkreis sowohl theologisch wie geographisch wie auch von der Altersstruktur breit abgestützt sein. 2. Wir tendierten dazu, das Kirchenblatt zum offiziellen Organ des Pfarrvereins zu entwickeln. Vielleicht konnte so die Zahl von 1400 Abonnenten noch etwas gesteigert werden. Ein erster Schritt dazu drängte sich auf, als die Zeitschrift „Gesellschaft und Entwicklung“ der Institute für Sozialethik in Zürich und Bern und der Sozialen Studienkommission des Pfarrvereins trotz Unterstützung durch den Kirchenbund Ende 1976 einging. Da konnten die „Mitteilungen der Sozialen Studienkommission“ samt ihrem Redaktor Peter Walter ins Kirchenblatt integriert werden.
Gleichwohl geriet das Kirchenblatt in eine kritische Situation. Für den Reinhardt-Verlag war es seit Jahren ein Verlustgeschäft (allerdings auch ein guter Werbeträger). Er kündigte Mitte 1976 den Verlagsvertrag. Rettung kam in letzter Minute. Am 13. Sept. 1976 beschloss die Deutschschweizerische Kirchenkonferenz das Kirchenblatt mit Fr. 25‘000 zu unterstützen und am 27. Sept. beschloss die 100. Versammlung des Schweizerischen Reformierten Pfarrvereins in Luzern das Kirchenblatt zu ihrem offiziellen deutschsprachigen Publikationsorgan zu machen. Aber das Kirchenblatt war noch nicht über den Berg. Es lebte inhaltlich vor allem von den eingesandten Artikeln. Um es redaktionell besser gestalten zu können, wurde 1978 ein Team von vier Redaktoren mit eigenen Ressorts gebildet. Zu meiner Erleichterung konnte ich 1979 die Verantwortung Johannes Flury übergeben.
Vom Kirchenblatt zur Reformierten Presse
Ende 1986 wurde das Kirchenblatt mit dem EPD (Evangelischer Pressedienst, seit 1928) und der Zeitschrift Der Protestant (seit 1898) fusioniert. Der EPD war der finanzielle potentere Partner. Er wurde vom Schweizerischen Protestantischen Volksbund herausgegeben und von der Kirchenkonferenz mit Fr. 440‘000 unterstützt. Das Gelingen der Fusion ist vor allem Walter Wolf (EPD) und Christoph Möhl (Kirchenblatt) zu verdanken. Der Name wurde in Reformiertes Forum geändert und es bekam eine professionelle Redaktion, die beim Kirchenblatt vorher im Nebenamt geführt worden war. Das Reformierte Forum richtete sich an einen erweiterten Leserkreis, neben den Pfarrerinnen und Pfarrer sollten weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Verantwortliche der Kirchen angesprochen werden. Man hoffte so 4‘500 Abonnenten erreichen zu können. Das erforderte auch inhaltliche Änderungen: Bei theologischen Artikeln musste auf Allgemeinverständlichkeit geachtet und der Rezensionsteil gestrafft werden. Der Pfarrverein gab in der Folge mit inter pares ein eigenes zweisprachiges Publikationsorgan heraus. 1996 erhielt die Zeitschrift ihren heutigen Namen: Reformierte Presse.
Wandlungen und Krisen
Das Blatt wurde erst von der Kirchenblattgesellschaft herausgegeben, die jeweils anlässlich der Tagungen des Pfarrvereins alle zwei Jahre ihre Versammlung durchführte. 1963 gelang es den Berner Alttestamentler Johann Jakob Stamm für die Leitung des Vorstandes zu gewinnen. Ab 1972 wurde ein Herausgeberkreis Träger des Blattes. Das Kirchenblatt war in den 30er Jahren dem Trend der Zeit folgend unter den Einfluss der Barthianer geraten und wurde von vielen als Richtungsblatt empfunden. Stamm bemühte sich für Redaktion und Herausgeberkreis jüngere Theologen zu gewinnen. 1972 wurde mit Leni Altwegg die erste Frau in den Herausgeberkreis gewählt. Ihr folgten später noch weitere.
Auf Ende 1973 trat Johann Jakob Stamm als Präsident zurück und ich rückte nach. Es war eine zweifelhafte Ehre. Das Kirchenblatt bestand schon 130 Jahre und ich hatte ständig Angst, es würde unter meiner Leitung eingehen. Infolge gestiegener Produktionskosten, musste der Abonnementspreis immer wieder erhöht werden. Zudem gab es nur eine beschränkte Anzahl deutschsprachiger Pfarrer, die erreicht werden konnten. Andererseits war ich von der Notwendigkeit des Kirchenblattes als Gesprächsforum überzeugt. Denn die permanente theologische Diskussion ist m.E. das Lehramt der reformierten Kirche, da kristallisieren sich die vorherrschenden Meinungen heraus – manchmal sind es auch zwei Stränge. Wenn die Schweizer Kirchen keine solchen Foren haben, werden sie führungslos. Wir versuchten in zwei Richtungen zu gehen: 1. Es galt noch mehr, das Kirchenblatt aus einem Richtungsblatt zu einer allen zugänglichen Plattform zu entwickeln. Dazu mussten das Redaktionsteam und der Herausgeberkreis sowohl theologisch wie geographisch wie auch von der Altersstruktur breit abgestützt sein. 2. Wir tendierten dazu, das Kirchenblatt zum offiziellen Organ des Pfarrvereins zu entwickeln. Vielleicht konnte so die Zahl von 1400 Abonnenten noch etwas gesteigert werden. Ein erster Schritt dazu drängte sich auf, als die Zeitschrift „Gesellschaft und Entwicklung“ der Institute für Sozialethik in Zürich und Bern und der Sozialen Studienkommission des Pfarrvereins trotz Unterstützung durch den Kirchenbund Ende 1976 einging. Da konnten die „Mitteilungen der Sozialen Studienkommission“ samt ihrem Redaktor Peter Walter ins Kirchenblatt integriert werden.
Gleichwohl geriet das Kirchenblatt in eine kritische Situation. Für den Reinhardt-Verlag war es seit Jahren ein Verlustgeschäft (allerdings auch ein guter Werbeträger). Er kündigte Mitte 1976 den Verlagsvertrag. Rettung kam in letzter Minute. Am 13. Sept. 1976 beschloss die Deutschschweizerische Kirchenkonferenz das Kirchenblatt mit Fr. 25‘000 zu unterstützen und am 27. Sept. beschloss die 100. Versammlung des Schweizerischen Reformierten Pfarrvereins in Luzern das Kirchenblatt zu ihrem offiziellen deutschsprachigen Publikationsorgan zu machen. Aber das Kirchenblatt war noch nicht über den Berg. Es lebte inhaltlich vor allem von den eingesandten Artikeln. Um es redaktionell besser gestalten zu können, wurde 1978 ein Team von vier Redaktoren mit eigenen Ressorts gebildet. Zu meiner Erleichterung konnte ich 1979 die Verantwortung Johannes Flury übergeben.
Vom Kirchenblatt zur Reformierten Presse
Ende 1986 wurde das Kirchenblatt mit dem EPD (Evangelischer Pressedienst, seit 1928) und der Zeitschrift Der Protestant (seit 1898) fusioniert. Der EPD war der finanzielle potentere Partner. Er wurde vom Schweizerischen Protestantischen Volksbund herausgegeben und von der Kirchenkonferenz mit Fr. 440‘000 unterstützt. Das Gelingen der Fusion ist vor allem Walter Wolf (EPD) und Christoph Möhl (Kirchenblatt) zu verdanken. Der Name wurde in Reformiertes Forum geändert und es bekam eine professionelle Redaktion, die beim Kirchenblatt vorher im Nebenamt geführt worden war. Das Reformierte Forum richtete sich an einen erweiterten Leserkreis, neben den Pfarrerinnen und Pfarrer sollten weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Verantwortliche der Kirchen angesprochen werden. Man hoffte so 4‘500 Abonnenten erreichen zu können. Das erforderte auch inhaltliche Änderungen: Bei theologischen Artikeln musste auf Allgemeinverständlichkeit geachtet und der Rezensionsteil gestrafft werden. Der Pfarrverein gab in der Folge mit inter pares ein eigenes zweisprachiges Publikationsorgan heraus. 1996 erhielt die Zeitschrift ihren heutigen Namen: Reformierte Presse.
