Publiziert von: Verena Salvisberg
Bereitgestellt: 08.12.2025
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) eine Gesprächssynode durchgeführt – inspiriert vom Modell einiger Kantonalkirchen, die auf Beteiligung, Austausch und kreative Formate setzen.
Christina Aus der Au, TG,
Die Initiative wurde von einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe aus EKS-Delegierten vorbereitet: Roman Baur (ZH), Karin Spiess, Pieterlen (BEJUSO), Benoît Zimmermann (VD), Martina Tapernoux (ARAI) und Christina Aus der Au (TG) begleiteten das Projekt über ein Jahr lang mit grossem Engagement. Am 14. und 15. November 2025 war es dann so weit: Im Zentrum Loewenberg in Murten kamen die kantonalen Delegierte aus der ganzen Schweiz zusammen, um neue Formen des Miteinanders und der kirchlichen Selbstverständigung auszuprobieren.
Aufbruch aus der Komfortzone
Den Auftakt bildete ein Impulsreferat von Sandra Bils, einer Expertin für strategisch-innovative Transformationsprozesse. Mit eindringlichen Bildern forderte sie die Anwesenden heraus, die gewohnte Komfortzone zu verlassen – auch wenn das bedeutet, wie die Priester im Buch Josua zuerst einmal «nasse Füsse» zu bekommen.
In ihrer bildreichen Sprache erinnerte Bils an die Szene, in der das Volk Israel den Jordan überquert. Die Bundeslade, die das Heiligste symbolisiert, weist den Weg – aber sie fordert zugleich Vertrauen und Bewegung. Ihre provokante Frage an die Synodalen lautete: Was würden wir heute in diese Bundeslade legen? Was ist unser Heiligstes? Und was hält uns eigentlich davon ab, aufzubrechen?
Sie nannte mögliche Hindernisse: die Gewohnheit, die Verklärung des Status quo, Verlustängste, kognitive Verzerrungen, das Festhalten an getätigten Investitionen, Pfadabhängigkeiten – und ganz allgemein: die Angst vor dem Unbekannten. Doch sie stellte dem eine Zusage entgegen: „Sei getrost und unverzagt!“ – Gottes Worte an Josua, die auch heute noch Mut machen können.
Lego Serious Play: Kirche spielerisch denken
Im Anschluss waren die Delegierten selbst gefordert. Was bis dahin inhaltlich vorbereitet war, war bis zuletzt unter Verschluss geblieben – umso überraschender war der Einstieg: Jedes Mitglied erhielt ein kleines Säckchen Lego. Damit sollten Begriffe wie «Gerechtigkeit», «Apokalypse» oder «Gnade» kreativ modelliert werden – als Einstieg in die Methode Lego Serious Play©, angeleitet durch Christian Bless von der Beratungsfirma spin GmbH.
Was zunächst spielerisch anmutete, entfaltete schnell seine Wirkung: In elf thematischen Workshops wurden mit Hilfe der Legosteine komplexe Fragestellungen bearbeitet:
• Wie geschieht Kirche dort, wo Menschen Unterstützung brauchen?
• Was kann und muss Kirche sagen?
• Wie verändert künstliche Intelligenz den Glauben und die Glaubenspraxis?
• Wieviel Glaube braucht Kirche und wieviel Kirche braucht Glaube?
• Wie behält Kirche das grosse Ganze im Blick?
• Wie kann Kirche in Zukunft organisiert sein?
• Wie viel Individualismus braucht und erträgt Kirche?
• Wie bleibt Kirche weltoffen?
• Wie lebt Kirche christliche Freiheit?
• Was kann aus der Kirche weg?
• Wie ist das mit Kirche und Politik?
Die Teilnehmenden bauten ihre Antworten und Visionen, erklärten dann den Anderen ihre Modelle und diskutierten auf dieser ungewöhnlichen, aber produktiven Grundlage zentrale Themen der Kirche von heute und morgen. Schon der Bauprozess förderte überraschende Perspektiven zutage und machte implizite Überzeugungen sichtbar. Das dann einander gegenseitig darzustellen führte zu einem ungewohnt kreativen Nachdenken über Glaube und Kirche.
Frischer Wind über dem Jordan
Trotz des spielerischen Zugangs waren die Gespräche von Ernsthaftigkeit, Tiefe und Offenheit geprägt. Es wurde gelacht, gestaunt, gestritten – und gelauscht. Viele berichteten von unerwarteten Einsichten und neuen Denkwegen. Und vielleicht ist genau das der Kern dessen, was mit einer Gesprächssynode erreicht werden kann: Räume zu öffnen, in denen man mit anderen über das sprechen kann, was trägt, was herausfordert – und was sich verändern muss.
Ein Teilnehmer brachte die Stimmung treffend auf den Punkt – mit einem poetischen Bild, das über die digitale Plattform Mentimeter geteilt wurde: „Mit nassen Füssen trocken aus dem Jordan steigen, bergauf gehen und den frischen Wind, der oben weht, geniessen.“
Die erste Gesprächssynode der EKS hat gezeigt: Veränderung beginnt oft da, wo man bereit ist, neue Wege zu wagen – auch wenn sie ungewohnt sind. Und manchmal helfen tatsächlich Legosteine, das Heiligste (wieder) sichtbar zu machen. Jetzt geht es darum, dies im Alltag der Kantonalkirchen nicht untergehen zu lassen. Jede und jeder hat ihr Säckchen Lego mit nach Hause bekommen. Wir sollten es ab und zu hervornehmen. Und uns an den Satz von Henry David Thoreau erinnern: «If you have built castles in the air, your work need not be lost; that is where they should be. Now put the foundations under them.»
Aufbruch aus der Komfortzone
Den Auftakt bildete ein Impulsreferat von Sandra Bils, einer Expertin für strategisch-innovative Transformationsprozesse. Mit eindringlichen Bildern forderte sie die Anwesenden heraus, die gewohnte Komfortzone zu verlassen – auch wenn das bedeutet, wie die Priester im Buch Josua zuerst einmal «nasse Füsse» zu bekommen.
In ihrer bildreichen Sprache erinnerte Bils an die Szene, in der das Volk Israel den Jordan überquert. Die Bundeslade, die das Heiligste symbolisiert, weist den Weg – aber sie fordert zugleich Vertrauen und Bewegung. Ihre provokante Frage an die Synodalen lautete: Was würden wir heute in diese Bundeslade legen? Was ist unser Heiligstes? Und was hält uns eigentlich davon ab, aufzubrechen?
Sie nannte mögliche Hindernisse: die Gewohnheit, die Verklärung des Status quo, Verlustängste, kognitive Verzerrungen, das Festhalten an getätigten Investitionen, Pfadabhängigkeiten – und ganz allgemein: die Angst vor dem Unbekannten. Doch sie stellte dem eine Zusage entgegen: „Sei getrost und unverzagt!“ – Gottes Worte an Josua, die auch heute noch Mut machen können.
Lego Serious Play: Kirche spielerisch denken
Im Anschluss waren die Delegierten selbst gefordert. Was bis dahin inhaltlich vorbereitet war, war bis zuletzt unter Verschluss geblieben – umso überraschender war der Einstieg: Jedes Mitglied erhielt ein kleines Säckchen Lego. Damit sollten Begriffe wie «Gerechtigkeit», «Apokalypse» oder «Gnade» kreativ modelliert werden – als Einstieg in die Methode Lego Serious Play©, angeleitet durch Christian Bless von der Beratungsfirma spin GmbH.
Was zunächst spielerisch anmutete, entfaltete schnell seine Wirkung: In elf thematischen Workshops wurden mit Hilfe der Legosteine komplexe Fragestellungen bearbeitet:
• Wie geschieht Kirche dort, wo Menschen Unterstützung brauchen?
• Was kann und muss Kirche sagen?
• Wie verändert künstliche Intelligenz den Glauben und die Glaubenspraxis?
• Wieviel Glaube braucht Kirche und wieviel Kirche braucht Glaube?
• Wie behält Kirche das grosse Ganze im Blick?
• Wie kann Kirche in Zukunft organisiert sein?
• Wie viel Individualismus braucht und erträgt Kirche?
• Wie bleibt Kirche weltoffen?
• Wie lebt Kirche christliche Freiheit?
• Was kann aus der Kirche weg?
• Wie ist das mit Kirche und Politik?
Die Teilnehmenden bauten ihre Antworten und Visionen, erklärten dann den Anderen ihre Modelle und diskutierten auf dieser ungewöhnlichen, aber produktiven Grundlage zentrale Themen der Kirche von heute und morgen. Schon der Bauprozess förderte überraschende Perspektiven zutage und machte implizite Überzeugungen sichtbar. Das dann einander gegenseitig darzustellen führte zu einem ungewohnt kreativen Nachdenken über Glaube und Kirche.
Frischer Wind über dem Jordan
Trotz des spielerischen Zugangs waren die Gespräche von Ernsthaftigkeit, Tiefe und Offenheit geprägt. Es wurde gelacht, gestaunt, gestritten – und gelauscht. Viele berichteten von unerwarteten Einsichten und neuen Denkwegen. Und vielleicht ist genau das der Kern dessen, was mit einer Gesprächssynode erreicht werden kann: Räume zu öffnen, in denen man mit anderen über das sprechen kann, was trägt, was herausfordert – und was sich verändern muss.
Ein Teilnehmer brachte die Stimmung treffend auf den Punkt – mit einem poetischen Bild, das über die digitale Plattform Mentimeter geteilt wurde: „Mit nassen Füssen trocken aus dem Jordan steigen, bergauf gehen und den frischen Wind, der oben weht, geniessen.“
Die erste Gesprächssynode der EKS hat gezeigt: Veränderung beginnt oft da, wo man bereit ist, neue Wege zu wagen – auch wenn sie ungewohnt sind. Und manchmal helfen tatsächlich Legosteine, das Heiligste (wieder) sichtbar zu machen. Jetzt geht es darum, dies im Alltag der Kantonalkirchen nicht untergehen zu lassen. Jede und jeder hat ihr Säckchen Lego mit nach Hause bekommen. Wir sollten es ab und zu hervornehmen. Und uns an den Satz von Henry David Thoreau erinnern: «If you have built castles in the air, your work need not be lost; that is where they should be. Now put the foundations under them.»
