Drei Fragen an M. Zeindler

images interpares (Foto: Mark Haltmeier)
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Daniel Neeser
Der Gottesdienst? Und die Kirche?
Die erste These war, aus dem Gottesdienst eine stellvertretende Handlung zu machen ohne jedoch genau zu sagen, was da vertreten wird. Ich frage mich insbesondere, welchen Sinn wir dieser Stellvertretung und dieser göttlichen Handlung geben müssen, wenn Herr Zeindler danach die Existenz der Kirche auf den Gottesdienst zurückführt - eine Feier in Anwesenheit des Auferstandenen, dessen Rückkehr uns versprochen wurde.
Weiterhin erklärt Herr Zeindler, dass der Gottesdienst das Zentrum der Welt ist. Wenn die Kirche dank des Gottesdienstes lebt und er das Zentrum der Welt ist, befürchte ich die logische Folgerung: dass die Kirche das Zentrum der Welt ist. Wenn Zeindler sich auf Karl Barth bezieht, führt das in die gleiche Ausweglosigkeit:
Er sagt, dass «der Gottesdienst das Opus Dei, das Gotteswerk ist, welches in seinem Namen, im Namen Gottes, stattfindet». Ist es heute, in einer postmodernen Welt, in der unzählige Arbeiten von Anthropologen und Spezialisten über Kulthandlungen vorliegen und in der die Kirchen sich in einer sehr schwierigen Lage befinden, möglich, solche Ansprüche aufrechtzuhalten?
In einem Vortrag vor meinen Kollegen sagte Professor D. Plüss 2010: «Der Gottesdienst ist nicht ein blosses Ritual, sondern der Ort, an dem Gott sein Wort an uns richtet und wir als Gemeinde darauf antworten. Diese dialogische Struktur während der Liturgie entspricht der theologischen Berufung des Menschen, ohne dass sie ausschliesslich darauf beruht.
Dieser Dialog zwischen Gott und der Gemeinde findet im Tongefäss des liturgischen Rituals statt. Lieber als eine Stellvetreterkirche oder ein Stellvertretergottesdienst ist mir die Aussicht auf eine Stellvertretung des Wortes.

Der Gottesdienst und die Herrschaft Christi
«Der Gottesdienst existiert, weil Jesus Christus es will»: Zeindler begründet diese Aussage dadurch, dass unsere Welt das Königreich Christi ist. Ich glaube nicht, dass Christi Herrschaft sich durch den Gottesdienst offenbart, sondern durch das Wort Gottes. Ich fürchte, dass wir mit dieser Gottesdienstdefinition uns auf eine bestimmte Form der «religiösen» Feier, gegen welche die Reformation sich gewehrt hat, festlegen. Existiert der wahre Gottesdienst nicht genau da, wo wir uns aus der alltäglichen Misere (Wirtschaftskrise, Krise der Werte, Spirituelle Krise) befreien möchten? Damit wir die Gefangenen dieser Gesellschaft befreien können und die Reichen mit leeren Händen wieder zurückschicken können?
Wir dürfen nicht das Hören auf das Wort Gottes mit dem von Christus zurückgewiesenen Wunsch nach einem starken, mächtigen und nachweisbaren Gott verwechseln. Wir riskieren, die göttliche Herrschaft auf eine Feier zu reduzieren; den Gottesdienst vom Akt der Nächstenliebe, die Anbetung von der Diakonie und das Gebet vom Hirtenamt zu trennen. Indem wir die Zeugen Christi spiritualisieren, entfernen wir sie aus der Welt.
Wir dürfen nicht vergessen, dass es in den zwei ersten Berichten über die erste Gemeinde um das Hören des Wortes, um das Abendmahl, um das Gebet und um das Teilen, d.h. die Solidarität in wirtschaftlichen Fragen, geht - ein Gleichgewicht zwischen diesen Bereichen muss bis heute noch gefunden werden. Wichtig ist auch, dass es im ersten Text um Almosen und im zweiten um einen behinderten Bettler geht. So folgt auch dem zweiten Text eine wichtige Stelle: der Betrug, die Lüge und der Tod von Hananias und Saphira.

Die Ekklesia
Was ist das für eine Ekklesia, mit dem atemberaubenden Anspruch, im Gottesdienst das rituelle Abbild der zukünftigen Welt zu erleben? Worin besteht denn das rituelle Abbild? Falls je eine solche Ekklesia existiert haben sollte, so ist das heute ganz sicher vorbei. Und wir dürfen uns nicht auf den geringen Gottesdienstbesuch berufen, um ihm eine evangelische Tugend zuzusprechen.
Wir leben nicht mehr in einer christlichen Gesellschaft, in der geistliches und theologisches Leben eine Einheit bilden. Unsere Gottesdienste finden auf der Schwelle zwischen geistlichem und weltlichem Leben statt. Darum müssen wir uns die schwierige Frage stellen: Welche aktuelle Funktion hat unser Gottesdienst noch, zwischen der Anbetung durch die Gläubigen und/oder der Missionierung von Ungläubigen und Skeptikern, usw. Diese verschiedenen «spirituellen Zustände» können natürlich auch bei ein und derselben Person vorkommen.
Ist die Gemeinde noch auf dem von Christus vorgesehenen Weg, oder verfolgt sie ein idealisiertes Bild der Ur Kirche, einen (schönen) orthodoxen Traum von einer himmlischen Liturgie auf Erden?
Wenn Zeindler in seinem Text schreibt, dass «die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen nur durch die Gemeinschaft unter den Gläubigen existiert» bezieht er sich ganz klar auf die oben angesprochene Problematik.
Aber wenn der Gottesdienst ein Ort der Begegnung mit den anderen ist, dann dürfen die anderen mit ihrem Glauben und ihrer kirchlichen Praxis auch «anders» bleiben (der Gottesdienst versammelt aber ohne Vereinheitlichung!). Das stellt die Frage nach dem Wesen der feiernden Gemeinde heute.

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