Tagung: Kirchliches Handeln in der Wohlstandsgesellschaft

Eröffnungsgottesdienst —  Pierre de Salis, Präsident des Schweizerischen Pfarrvereins spricht.

Eröffnungsgottesdienst: Pierre de Salis, Präsident des Schweizerischen Pfarrvereins spricht.

Nach der Tagung vor drei Jahren in Basel zur Frage von Berufung und Ordination war die diesjährige Tagung unserem beruflichen Handeln im Horizont der Hoffnung auf das Reich Gottes gewidmet. 120 Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen kantonalkirchlichen Vereinen folgten der Einladung des Vorstandes, durch eine leibhafte Zusammenkunft die ideelle und administrative Verbundenheit in dem gemeinsamen Berufsstand zu stärken und zu klären.
In den beiden gottesdienstlichen Feiern, im intensiven Nachdenken über biblische und geschichtliche Zusammenhänge, aber auch beim gemeinsamen Essen und Trinken und den vielen kürzeren oder längeren persönlichen Gesprächen konnte etwas vom tragenden Grund und vom verbindenden Ziel spürbar werden. Am Anfang sammelte das zweisprachige Lob der Güte Gottes die Kolleginnen und Kollegen, die von nah und fern angereist waren, am Schluss begleitete die Segensbitte des Psalms sie wieder in ihre Alltagsaufgaben.
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Dazwischen hatte Gerd Theissen uns mitgenommen auf einen Weg durch die Predigt vom Reich Gottes Jesu, wie der Neutestamentler sie rekonstruiert, und Barbara Hallensleben hatte uns herausgefordert mit der These, die moderne Wohlstandsgesellschaft verdanke sich dem absolutistischen Versuch, den Frieden zu sichern, indem die beunruhigenden Fragen des Glaubens konsequent in den Bereich des Privaten gedrängt werden. Theissen wies in seinem Referat nach, dass das Königreich Gottes zweifellos das Herz der jesuanischen Verkündigung bildet, und dass dieses Königreich sich in einem radikalen Monotheismus verwirklicht: Gott – und nicht die Dämonen und nicht der Mammon haben die Macht. Am Ende tat er den Schritt in ein anderes Genos: er beschloss seine analytischen Überlegungen mit zwei Meditationen, die an der Stelle der kritischen Erwägungen ein liturgisch geformtes Bekenntnis in poetisch verdichtete Worte fasste. Hallensleben lud demgegenüber zunächst zur Meditation eines Christusbildes ein – nur um gleich klarzustellen, dass der vermeintliche Christus der Leviatan Hobbes ist, der vom modernen Staat erhofft, er werde die Welt befrieden. Am Beispiel Albert Schweitzers zeigte sie, wie es in diesem geschlossenen Welthorizont nicht denkbar ist, dass Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott das Reich Gottes vergegenwärtigt, und wie der Theologe dann – wenn er wissenschaftlich redlich und liebevoll engagiert bleiben will – sich in einen heroischen Willen zur Macht flüchten muss. Schweitzer geht so , ins Messianische gewendet, einen ähnlichen Weg, wie ihn Nietzsche ins Antichristliche gewendet gegangen ist. In den Gruppengesprächen nach dem Mittagessen gab es dementsprechend reichlich Stoff zum Austausch. Ganz bewusst wurde an der Tagung kein Versuch gemacht, Ergebnisse dieser Gespräche zu bündeln und erneut zur Diskussion zu stellen. Etwas davon kann womöglich auf der Homepage des Pfarrvereins geschehen. So oder so hat die Tagung den Willen gestärkt, das aktuelle Umfeld unserer Berufsaufgaben theologisch zu verstehen und zu beurteilen, und aus der Defensive der kirchlichen Selbsterhaltung herauszutreten in eine offene und kritische Zuwendung zur modernen und postmodernen Welt – im Vertrauen darauf, dass die Verkündigung des Gottesreiches nach einer solche Offenheit ruft und den entsprechenden Herausforderungen Stand hält.
Pfr. Dr. Bernhard Rothen, Hundwil AR
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Prof. Gerd Theissen im Gespräch vor dem Referat
Fruchtend
schon zu Beginn
Gottesdienst am Anfang
Prof. Gerd Theissen im Gespräch vor dem Referat schon zu Beginn Gottesdienst am Anfang
Präsident Pierre de Salis
eröffnet die Tagung
Eröffnungsgottesdienst
Pierre de Salis, Präsident des Schweizerischen Pfarrvereins spricht.
Referentin und Referent
und der Hellraumprojektor
eröffnet die Tagung Pierre de Salis, Präsident des Schweizerischen Pfarrvereins spricht. und der Hellraumprojektor
Aufmerksamkeit
war gefordert bei zwei anspruchsvollen Referaten nach einander
Prof. Dr. Barbara Hallensleben
beim Referat
Begegnung am Dessertbuffet
Präsident Pierre de Salis im Gespräch
war gefordert bei zwei anspruchsvollen Referaten nach einander beim Referat Präsident Pierre de Salis im Gespräch
Gruppengespräche
angeregte Diskussion
Gruppengespräche
mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Ecken der Schweiz
Bernhard Rothen und Jean-Eric Bertholet
Mit-Organisatoren der Tagung (Maja Petrus fehlt - als Fotografin - auf dem Bild)
angeregte Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Ecken der Schweiz Mit-Organisatoren der Tagung (Maja Petrus fehlt - als Fotografin - auf dem Bild)
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Autor: Werner Näf     bereitgestellt: 16.01.2012     Besuche: 119 Monat
 
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