In der Mitte: der Gottesdienst

images interpares (Foto: Mark Haltmeier)
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Thesen, die Matthias Zeindler beim Symposium zur liturgischen Kultur in der reformierten Schweiz am 7 September 2011 in Bern gehalten hat.
Matthias Zeindler
1. Gehört der Gottesdienst in der kirchlichen Praxis an den Rand oder in die Mitte? Die Empirie gibt darauf keine eindeutige Antwort. Unabhängig davon gilt, dass in der Kirche die Ortsanweisung des Gottesdienstes theologisch erfolgen muss - im Horizont des Handelns Gottes.
2. Die im Gottesdienst versammelte frühchristliche Gemeinde versteht sich als von Gott aus der Welt herausgerufene Heilsgemeinschaft, die in ihrer Feier den eschatologischen Kult im Reich Gottes antizipiert.
3. «Der kirchliche Gottesdienst ist das opus Dei, das Werk Gottes, das um seiner selbst willen geschieht.». Den Gottesdienst gibt es theologisch gesehen darum, weil Jesus Christus «geliebt und gelobt sein» will. Er ist darum «das Wichtigste, Dringlichste und Herrlichste, was auf Erden überhaupt geschehen kann» (Karl Barth).
4. «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen» (Matthäus 18,20). Christlicher Gottesdienst ist von da aus Feier in der Gegenwart des auferstandenen Christus. Diese Verheissung bildet die Begründung sowie Material- und Strukturprinzip des Gottesdienstes.
5. Als Feier in der Gegenwart des auferstandenen Christus gibt es für den christlichen Gottesdienst keinen andern Ort als die Mitte. Theologisch gesehen ist er nicht nur die Mitte des menschlichen Lebens oder der kirchlichen Praxis, er ist - die Mitte der Welt. Im Gottesdienst tut die Welt das Höchste und Schönste, was sie überhaupt tun kann.
6. Als Feier vor dem Auferstandenen kann der Gottesdienst nicht in gesellschaftliche Zwecksetzungen verrechnet werden. Gerade dadurch wird er aber für uns Menschen höchst sinnvoll.
7. Die sinnvolle Zweckfreiheit des Gottesdienstes muss in ihm erfahrbar werden. Neben didaktischen und seelsorgerlichen bedarf er deshalb auch der ästhetischen Dimensionen des Festes, der Schönheit und des Spiels. Mit seiner sinnvollen Zweckfreiheit kann der Gottesdienst zur Erfahrung von Freiheit werden.
8. Gemeinschaft mit dem Auferstandenen gibt es nur als Gemeinschaft untereinander. Wenn wir in die Mitte kommen, treffen wir dort andere. In der Mitte bleiben wir nicht einsam, sondern werden zu Gliedern am Leib Christi.

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