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Rolf Sahlfeld

*20.04.1943  †19.02.2026

Einsatzorte

1968 - 1973: Evangelische Kirchgemeinde Altstätten, SG
1973 - 1975: Provisor in Bülach, ZH
1975 - 1998: Pfarrer und Religionslehrer in Wipperfürth im Rheinland / D
Bild Rolf Sahlfeld

Nachruf

Rolf August Wilhelm Heinrich Friedrich Sahlfeld kam am 20. April 1943 als viertes und jüngstes Kind des Postangestellten Wilhelm Sahlfeld und der Bauerntochter Dora, geb. Meyer, in Barsinghausen zur Welt. Er gehört zur Generation, die nicht den Krieg, wohl aber die Nachkriegszeit erlebt hat. Der Vater Wilhelm Sahlfeld war 1943 – mit 45 Jahren – zum zweiten Mal in einen Krieg eingezogen worden, nach dem Krieg musste man im Elternhaus in der Schmiedekampstrasse in beengten Verhältnissen leben, weil Flüchtlinge einquartiert wurden
Schon in der Grundschule in Barsinghausen fiel Rolf durch eine gewisse Lebhaftigkeit und den Willen zum Lernen auf. So kam es dazu, dass er zum «Probeunterricht» an einem Gymnasium angemeldet wurde, eine damals für ein Kind aus einfachen Verhältnissen am Deisterrand eher ungewöhnliche Entscheidung, zumal das Gymnasium natürlich nicht im Landkreis lag, sondern in Hannover-Linden, die sog. Humboldtschule. Mit seinen Klassenkameraden aus dieser Schule ist er sein Leben lang in Kontakt geblieben. Die Schulzeit war freilich nicht leicht, denn in den Schulen war damals in den fünfziger Jahren noch Schichtunterricht, d.h. man hatte manchmal morgens, manchmal nachmittags Unterricht, weil viele Schulen noch zerstört waren. Zusammen mit dem langen Schulweg schränkte dies das Betreiben anderer Freizeitaktivitäten stark ein. Umso prägender müssen daher nach der Konfirmation die ersten Reisen gewesen sein, die er mit dem Fahrrad unternahm, später dann auch mit dem Zug, und die ihn schon als Jugendlichen nach England, Österreich und sogar Italien führten.
Erst im letzten Schuljahr, in der 13. Klasse, entschied sich Rolf Sahlfeld für das Theologiestudium. Nicht wegen des Berufes «Pfarrer», sondern wegen des breiten Studienfaches und aus intellektueller Neugierde, so hat er es selbst gesagt. Bereut hat er diese Studienwahl wohl nie. Von sich selbst hat er aber auch gesagt, er sei vielleicht kein so guter Pfarrer im traditionellen Sinn gewesen, da er sich immer vor allem für Predigt und Unterricht interessiert habe. Intellektuelle Neugierde war in der Tat ein prägender Zug seiner Persönlichkeit, er hat sich bis zuletzt für Kunstgeschichte, seine grosse Leidenschaft, aber auch praktisch alle anderen Bereiche menschlichen Wissens begeistern können, so wie auch das Reisen für ihn immer Gelegenheit zum Lernen und Entdecken gewesen sein sollte.
In die Jahre des Theologiestudiums in Tübingen, Göttingen, Hamburg und Wien fallen nicht nur entscheidende Entdeckungen theologischer Natur, sondern auch die Begegnung mit seiner späteren Lebensgefährtin, der Schweizer Theologiestudentin Hanna Singer. Die beiden Verlobten mussten sich dann allerdings durchaus mit Mühe das ersehnte gemeinsame Leben erstreiten. Rolf schliesst sein Studium in Göttingen ab und nach dem Vikariat, das ihn nach Mailand (wegen der Nähe zur Schweiz) und seine Verlobte in ein kleines Dorf in ihrem Heimatkanton Kanton St. Gallen führt, heiraten sie. Rolf Sahlfeld nimmt 1969 eine Stelle als Pfarrer in Altstätten in der Ostschweiz an. Schon bald kommen zwei Söhne zur Welt.
Hier beginnt der öffentliche Teil seines Lebens. Die von ihm immer unterstützte politische Tätigkeit seiner Frau (sie wurde 1971 als eine der ersten Frauen überhaupt ins Schweizer Parlament gewählt) ist dabei nicht das Einzige, was hier gewürdigt werden sollte. So ist der junge Pfarrer 1969 einer der Erstunterzeichner der «Erklärung von Bern», mit der evangelische Theologen gegen die Ungerechtigkeit in den weltweiten Wirtschaftsbeziehungen protestieren und ihr Engagement für eine echte Unterstützung der so genannten «3. Welt» auch mit einer mehr als symbolischen Geste konkretisieren, nämlich dem Verzicht auf 3% ihres Einkommens zugunsten der Entwicklungshilfe. Er ist seiner Zeit damals um vieles voraus. Für Rolf Sahlfeld war das Wort Engagement nie eine leere Worthülse, es nährte sich aus seinem christlichen Glauben und wurde zu konkretem Handeln. Ein so verstandenes und gelebtes Engagement musste anecken, es musste Schwierigkeiten nach sich ziehen. Die evangelische Kirchgemeinde Altstätten trennt sich schon bald von ihrem Pfarrer, und nach einem Zwischenspiel als Pfarrer und Religionslehrer in Bülach im Kanton Zürich entscheidet sich Rolf Sahlfeld, eine Stelle in Deutschland anzunehmen. Die Familie zieht nach Wipperfürth im Oberbergischen Land, wo er an zwei dortigen Gymnasien als «Schulpfarrer» amtet. Er ist Pfarrer und Religionslehrer zugleich, eine sicher anstrengende Tätigkeit, die er mit grosser Begeisterung und grossem Ernst ausübt. Vielen jungen Menschen hat er viel mitgegeben, nicht nur als Lehrer, sondern auch als Prüfer bei den theologischen Prüfungen der Landeskirche im Rheinland, Beratungspfarrer für Wehrdienstverweigerer, als zuhörender und lehrender Theologe, als hochgebildeter Mensch, der seine Bildung nie dünkelhaft zur Schau stellte. Auch in Wipperfürth hat er sich mit seinem Einsatz für die Reform überholter Strukturen in Kirche, Gesellschaft und Lokalpolitik nicht nur Freunde gemacht. Er hatte sich insbesondere für die Abschaffung konfessionell getrennter Grundschulen eingesetzt.

1998 ist er mit seiner Frau Hanna wieder nach Barsinghausen zurückgekommen, hier hat er mit ihre die letzten zweieinhalb Jahrzehnte seines Lebens verbracht, hier ist er am 19. Februar 2026 verstorben.
Vieles andere hätte das Leben von Rolf Sahlfeld uns zu sagen, aber er selbst hat in seinen letzten Aufzeichnungen auf die Worte Jesu im Johannesevangelium verwiesen: «Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er es euch gebe.» (Joh. 15, 6)

Dr. Konrad Sahlfeld (nach den Aufzeichnungen von Rolf Sahlfeld)