Clemens Besmer wurde am 22. April 1930 als Sohn einer Bernerin und eines Innerschweizers in Naters geboren und wuchs als jüngstes von 10 Kindern in Brig im Oberwallis auf. Seine Mutter legte ihm die Liebe zur Musik in die Wiege. Eine ältere Schwester kaufte ihm ein erstes Klavier, auf dem Clemens Besmer autodidaktisch spielen lernte. Seine musikalische Begabung liess ihn auch grosse und kleine Werke komponieren, vom Schullied für ein Grosskind über die Lieder für seine Konfirmandinnen und Konfirmanden bis hin zu einer im Schlosshof von Trachselwald uraufgeführten grossen Symphonie. Da die Ausbildung zum Berufsmusiker jedoch nicht in Frage kam, arbeitete Clemens in jungen Jahren als Schriftsetzer bei der Berner Firma Vögeli, bis er ein Inserat zu einem Sonderkurs für angehende Pfarrerinnen und Pfarrer der Kirchlich-Theologischen Schule entdeckte.
Nach der Heirat mit Marlies Müller im Jahre 1959, dem Theologiestudium in Bern und dem Lernvikariat bei Bietenhards in Steffisburg, zog es die junge Familie von 1964 bis 1972 ins Landpfarramt nach Wasen im Emmental, sowie von 1972 bis 1985 ins Zweierpfarramt nach Oberdiessbach. Die dritte Pfarramtsetappe führte ihn schliesslich nach Muri-Gümligen, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1995 im Pfarrhaus Melchenbühl lebte und wirkte. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ – das hatte er vom grossen jüdischen Denker Martin Buber gelernt, und das lag ihm vor allem anderen am Herzen.
- Der oekumenische Arbeitskreis und die Zusammenarbeit in der Oekumene, der innerkirchlichen wie der weltweiten, brannten ihm, dem unter Katholiken Aufgewachsenen, unter den Nägeln.
- In der Seelsorge verstand er es, den Einzelnen mit seinem nur ihm eigenen Schicksal ernst zu nehmen.
- In der Unterweisung wollte er den Jugendlichen helfen, ihren Platz im Leben zu finden.
- Und im Gottesdienst wies er immer wieder auf die grosse Freiheit hin, in der Begegnung mit Gott, Welt und Menschen das eigene Leben selbstverantwortlich zu führen.
- So ging er quer durch alle Schichten hindurch und setzte sich mit Komplizierten und Einfachen, Belesenen und Ungebildeten, Erfolgreichen und Erfolglosen, Jungen und Alten an einen Tisch.
- Wenn es nötig war, scheute er sich nicht, einem Asylsuchenden Gastrecht zu gewähren und ihm beizustehen.
- Und auch geistig suchte er die Begegnung mit anderen Denkern, Sprachen und Kulturen, lernte Russisch und las Fjodor Dostojewski im Origialtext.
Dass er in allem seine Familie um sich wissen, selber ein kleines Glied in der grossen Kette des Lebens sein und seinen drei Kindern Karin, Daniel und Anna wie seinen Grosskindern Maruschka, Timo, Sina und Lena etwas weitergeben durfte, das hat ihn begleitet. Daneben war es ihm in seinem Thuner Ruhestand noch während vieler Jahre vergönnt, einen Altersnachmittag und eine Bibelgruppe zu leiten. Seine letzten Lebensjahre hat Clemens Besmer in der Nähe von Sohn und Schwiegertochter in Heimberg verbracht.
Die Kirchgemeinde Muri-Gümligen gedenkt seines Wirkens in Dankbarkeit.
Martin Koelbing