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René Rissi

*05.03.1925  †23.12.2013

Einsatzorte

1949 - 1951: Rothrist
1951 - 1957: Sevelen SG
1957 - 1991: Zürich Balgrist
Bild René Rissi

Nachruf

Als packender Prediger, humorvoller Erzähler, einfühlsamer Seelsorger, sorgfältiger Theologe, der es verstand, das herzliche Vertrauen und das kritische, wissenschaftliche Denken fruchtbar zu verbinden, glaubwürdig - so bleibt René Rissi Vielen in dankbarer Erinnerung. Er selbst blickt mit folgenden Worten auf sein Leben zurück:
Am 5. März 1925 wurde ich als 2. Kind meiner Eltern Mathias und Fanny Rissi-Tobler in St. Gallen geboren. Mit meinem 5 Jahre älteren Bruder verbrachte ich in der Lehrerfamilie eine schöne Kinder- und Jugendzeit. In meinem Elternhaus durfte ich früh das Leben im Glauben kennen lernen. Der Primarschulzeit folgten in den bewegten Jahren des 2. Weltkriegs die Jahre am Gymnasium in St. Gallen. Wohl durch das Erlebnis der spannenden Jugendgottesdienste, die mein Vater hielt, beeinflußt, stand in mir schon früh – wie bei meinem Bruder – der Wunsch fest Pfarrer zu werden. Nach der Matura verbrachte ich die Studienjahre in Zürich und Basel. Nach Ende des Kriegs ergab sich die erste Möglichkeit eines Auslandsemesters in Montpellier, wo mich die französische Kirche stark beeindruckte. Nach dem Lernvikariat und Murgenthal wo ich gleich neben dem Pfarrhaus meine liebe Frau, Fanny Ruf, kennen lernte. Nach 2 Jahren als Pfarrhelfer in Rothrist wurde ich 1951 nach Sevelen gewählt. Nach 6 schönen, aber enorm arbeitsreichen Jahren für uns beide, kam die Berufung nach Zürich an die Balgristkirche in der Kirchgemeinde Neumünster. Es folgten 34 Jahre Arbeit in Zürich. 1965 erfolgte die schon seit der Berufung versprochene Gründung der selbständigen Gemeinde Balgrist. In der Sevelerzeit wurden uns die zwei Söhne geschenkt. Mathias 1952 und Thomas 1953. In der Zürcher Zeit kamen zu unserer Freude noch die Töchter dazu: Barbara 1958 und Dorothea 1963. Wir haben allen Grund Gott zu danken für den Segen der Familie, für alle Freude mit den vier Kindern und dann den neun Großkindern und schließlich auch noch zwei Urenkeln.
In all diesen Jahren galt mein besonderer Einsatz auch der Jugendarbeit mit Religionsunterricht in Sekundarschule und Realgymnasium Rämibühl. Besondere Freude machte mir in all den Jahren bis zu Pensionierung die Arbeit in der »Jungen Kirche«, in ungezählten Ferienlagern und den wöchentlichen JK-Abenden, zeitweise zwei Gruppen, einer jüngeren und einer älteren.
1970 gründete ich auf Wunsch der Zeitschrift den Leserbriefkasten der Wochenzeitschrift »Leben und Glauben«. Schon bald konnte ich mich des Stroms der Fragen kaum erwehren. In dieser Arbeit habe ich wohl am meisten selbst profitiert, lernte ich doch in Zusammenarbeit mit meiner Frau, mit Arzt, Psychiater und Graphologin viel für die Seelsorge. Die entscheidende Freude zum Dienst in der Kirche hatte ich durch Karl Barth und Emil Brunner gefunden. Emil Brunner und Gerhard Ebeling waren während vieler Jahre Gemeindeglieder. Und wenn sie unter der Kanzel sassen, ging ich mit vermehrtem Herzklopfen auf die Kanzel. Rückschauend muß ich sagen, dass ich die große Arbeit, ohne dass Fanny intensiv mitarbeitete, mitdachte und mitfühlte, und viele gute Ideen einbrachte, nicht denkbar gewesen wäre.
Nach der Pensionierung 1991 folgte zuerst eine Stellvertretung im Spitalpfarramt Neumünster. Durch Herr Pfarrer Bär, den Seelsorger des Alterszentrums Hottingen wurden meine Frau und ich zunehmend in seine Nachfolge gerufen. Wir schätzten diese Arbeit außerordentlich, und sind Gott von Herzen dank-bar, dass wir Gottes Liebe in Jesus Christus gerade den Menschen in ihrer 3. Lebensphase verkündigen und manche auf ihrem letzten Lebensabschnitt bis zum Ziel begleiten durften. Daneben fanden wir nun vermehrt Zeit, um unsern Garten in unserm Ferienhaus in Oberschan, das immer mehr vom Ferienhaus zur Heimat wurde zu pflegen. Es machte uns Freude gelegentlich auch dort das Evangelium weiter zu verkünden.

Bis in den Februar 2013 wirkte René Rissi monatlich als beliebter Prediger in der St. Anna-Gemeinde in Zürich. Das war ihm eine große Freude und er tat es wie früher: ansteckend im Bekennen, seelsorgerlich nahe und aktuell und »geerdet«.
Nach kurzer Krankheit ist er am 23. Dezembers 2013 ist er getrost und in heiterer Glaubensgewißheit gestorben.

Verfasst von René Rissi und ergänzt durch Mathias Rissi (Sohn)