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Ulrich Graf

*05.02.1943  †14.06.2020

Einsatzorte

1968 - 1971: Wald, ZH
1971 - 1978: Buchberg-Rüdlingen, SH
1978 - 1985: Osterfingen, SH
1985 - 2008: Aarau, Stadtkirche, AG
Bild Ulrich Graf

Nachruf

Ueli Graf – mit vollem Taufnamen Hans Ulrich Balthasar – wurde am 5. Februar 1943 als Sohn des Lehrerehepaars Gertrud und Fritz Graf-Weber in Winterthur geboren. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Christoph erlebte er eine schöne Kinder- und Jugendzeit, bis leider der Vater im Jahre 1958 starb, als Ueli 15 Jahre alt war. Dieses einschneidende Erlebnis hat die Familie sehr geprägt und Uelis weiteren Weg wohl mitbestimmt.
Als die Gymnasialzeit zu Ende ging, stellte sich die Frage nach der Studienwahl. Der Entscheid fiel ihm nicht ganz leicht, denn Ueli war sehr vielseitig interessiert. Auch die Musik bedeutete ihm sehr viel. Schliesslich entschied er sich aber doch für die Theologie. Sein Theologiestudium absolvierte er in Zürich, Tübingen und Marburg und das anschliessende Lernvikariat bei Pfr. Rolf Sturzenegger in Wald im Zürcher Oberland. Die Ordination erfolgte dann Ende Mai 1968.
Damit begann ein ganz neuer Lebensabschnitt. Während der Zeit des Studiums hatte Ueli Graf seine fast gleichaltrige Studienkollegin Vreni Schilling aus Stein am Rhein kennengelernt, und nach dem Abschluss der Ausbildung heirateten die beiden am 15. Juni 1968. Gemeinsam zogen sie darauf ins Zürcher Oberland, wo Ueli seine erste Pfarrstelle in Wald antrat.
Nach kurzem Wirken in dieser weitverzweigten Gemeinde erfolgte der Wechsel in den Kanton Schaffhausen. Ueli Graf wirkte von 1971 bis 1978 als Pfarrer in der Kirchgemeinde Buchberg-Rüdlingen. Es waren schöne, spannende, aber auch herausfordernde Jahre. Als 1972 ein Grossbrand die Kirche zerstörte, haben der Wiederaufbau und die Neugestaltung viele Kräfte absorbiert, aber auch viel Kreativität in der Gemeinde freigesetzt. Auch im familiären Bereich war es eine intensive Zeit, wurden doch in den Jahren 1969 bis 1973 die drei Söhne Andreas, Thomas und Martin geboren. Der Wunsch nach einer etwas ruhigeren Phase führte dann im Jahr 1978 zu einem Wechsel in die kleine Landgemeinde Osterfingen im Klettgau.
Nach vierzehnjähriger Tätigkeit im Kanton Schaffhausen erfolgte der Ruf nach Aarau. Im Frühling 1985 zog Ueli Graf mit seiner Familie in den Aargau und trat seine neue Stelle an der Stadtkirche Aarau an, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2008 innehatte. Was er hier neben manch anderem ganz besonders schätzte, war das vielfältige kirchenmusikalische Leben, an dem er sich von Anfang an aktiv beteiligte, einerseits durch das Mitsingen in der Kantorei und andererseits über viele Jahre als Präsident der Musikkommission.
Ueli Graf war gerne Pfarrer und liebte seinen Beruf, wobei ihm das Predigen und die Gestaltung von Gottesdiensten und Feiern ganz besonders wichtig waren. Aber sein grosses Wissen und seine vielfältigen Interessen haben es mit sich gebracht, dass er neben seiner pfarramtlichen Tätigkeit immer wieder auch für andere Aufgaben angefragt wurde. Schon während der Osterfinger Jahre wurde er als Schaffhauser Delegierter Mitglied der Theologischen Konkordatsprüfungsbehörde mit dem Schwerpunkt Kirchengeschichte, und dann – nach kurzer Zeit in Aarau – wiederum als Aargauer Delegierter. Mit der Zeit kamen noch weitere Verpflichtungen dazu wie die Mitarbeit in der Schweizerischen Gesangbuchkommission und von 1998 bis 2008 die Aufgabe des Dekans im Bezirk Aarau. Alles in allem ein gerütteltes Mass an Arbeit, das er nicht hätte bewältigen können ohne die teilzeitliche Mitarbeit seiner Frau im Pfarramt ab dem Jahr 1995 bis zur Pensionierung im Frühjahr 2008.
Ueli Graf hat seine vielen Aufgaben sowohl im Pfarramt als auch in den anderen Bereichen stets mit grosser Hingabe und Sorgfalt erfüllt. Dabei schätzte er auch die vielen Kontakte, die sich aus all diesen Tätigkeiten ergaben und ihn die grosse Vielfalt unserer Reformierten Kirche erfahren liessen.
Auch nach der Pensionierung hat er sich da und dort engagiert, unter anderem zusammen mit seiner Frau in einem zweijährigen Einsatz in Niedergösgen SO und auch bei anderen gelegentlichen Vertretungen. Im Übrigen hat er die grosse Freiheit genossen, die ihm die Möglichkeit gab, vermehrt seinen vielen Interessen nachzugehen oder auf gemeinsamen Ausflügen und Reisen unterwegs zu sein. Mehr Zeit für Familie und Freunde, Konzerte und andere Veranstaltungen bereicherten unser gemeinsames Leben durch all diese Jahre hindurch.
Sein überraschender Tod am 14. Juni 2020 hat seinem reichen und erfüllten Leben ein unerwartet schnelles Ende gesetzt. Wir trauern um einen lieben, wertvollen Menschen und gedenken seiner mit grosser Dankbarkeit.

Verena Graf-Schilling