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Werner Bieder

*21.07.1911  †05.04.1999

Einsatzorte

1935 - 1941: Oberhallau, SH
1941 - 1957: Glarus, GL
1948 - 1957: Privatdozent für NT in Basel, BS
1955 - 1971: Studienleiter der Basler Mission, Basel, BS
1957 - 1976: Extraordinarius für NT und Missionstheologie in Basel, BS
Bild Werner Bieder

Werner Bieder und „Basler Mission“ gehören zusammen. Nach seinem Theologiestudium vor dem Zweiten Weltkrieg in Basel und in Bonn – hier beim jungen Karl Barth – wurde er am 19. Mai 1935 in Basel ordiniert. Als Pfarrer in Oberhallau SH setzte er sich zusammen mit seinen damaligen Nachbarkollegen Arthur Rich, Christian Maurer und Hans Wildberger kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander. 14 Jahre lang war er Pfarrer in Glarus. Während drei Jahrzehnten arbeitete er als Dozent, zuerst für Neues Testament, später auch für Missionswissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Basel und fast zwanzig Jahre lang als Referent für theologische Fragen in der Basler Mission.

Seine Familie stellt uns seinen autobiographischen Lebensrückblick zur Verfügung:

„Als ältester Sohn des Ernst Bieder und der Nelly geb. Niethammer wurde ich am 21. Juli 1911 in Basel geboren. Nach dem Besuch der Primarschule und des humanistischen Gymnasiums machte ich im Frühjahr 1930 die Maturität. Mit einem Bruder und einer Schwester zusammen verbrachte ich die Jugendzeit in einem durch die Gemütskrankheit meiner Mutter beeinträchtigten Familienleben. Innerhalb des Jugendwerks des „Blauen Kreuzes“ lernte ich Gertrud Bernhard kennen. In einem über sechzigjährigen glücklichen Eheleben lernten wir in einem reich bewegten Austausch auf einander zuzugehen und voneinander zu lernen.

Mit verursacht durch die freisinnigen und pietistischen Vorgaben meiner Eltern und Grosseltern entschied ich mich für das Theologiestudium, das ich in Basel und Bonn 1930 bis 1934 absolvierte. Nach einem „Lernvikariat“ bei Pfr. Lukas Christ in Pratteln BL wählte mich die schaffhausische Gemeinde Oberhallau nach meiner Ordination im Basler Münster unter Pfr. A. Koechlin 1935 zu ihrem Seelsorger. Maria Ursula (1936) und Peter Andreas (1939) wurden uns in Oberhallau geschenkt. Während meine Frau sich in das Leben einer Dorfgemeinschaft einzufühlen verstand, konnte ich in der kleinen Gemeinde meine Kräfte auch zur Herstellung einer theologischen Dissertation einsetzen: Ekklesia und Polis im Neuen Testament und in der Alten Kirche. Von 1941 bis 1955 hatten wir unseren Arbeitsbereich in Glarus gefunden. Das kulturelle und musikalische Leben in diesem Kantonshauptort nahm uns stark in Anspruch. Die beiden Kinder Anna Katharina (1942) und Johannes Markus (1945) füllten mit Ursula und Peter das zwölfzimmerige Pfarrhaus.

Einer Anregung von Prof. Blanke in Zürich folgte ich und machte mich an die Habilitationsschrift mit dem Thema: Die Vorstellung von der Höllenfahrt Jesu Christi. Auf Grund dieser Schrift erwarb ich mir die venia legendi. Mit dem Sommersemester 1948 begann ich, an der Universität Basel neutestamentliche Vorlesungen zu halten. Da ich, durch Walter Neidhart angefragt, auf den Herbst 1955 als Studienleiter der Basler Mission gewählt worden war, kam es dazu, dass ich im Doppelamt als praktischer theologischer Lehrer im Missionshaus und als Privatdozent der Universität verpflichtet wurde. Da ich ab Herbst 1957 zum ausserordentlichen Professor ernannt worden war, hatte ich zu den praktischen Ausbildungsaufgaben im Missionshaus sowohl das neutestamentliche als auch das missionswissenschaftliche Arbeitsgebiet in Vorlesungen und Übungen zu beackern. Dazu traten Lehr- und Lernaufgaben in aussereuropäischen Colleges in Kamerun, Ghana, Indien und Korea. Dadurch begann sich mein Horizont für die afrikanische, die indische und die fernöstliche Geisteswelt zu erweitern. Während manchen Jahren hatte ich als Hauptredaktor oder als Mitarbeiter am Evangelischen Missionsmagazin und später an der Zeitschrift für Mission mit Aufsätzen und Rezensionen zu arbeiten.

Nach meiner Pensionierung 1976/1977 wurden mir und meiner Gattin Dienstaufträge in christlichen Heimen zu einem Lebensbedürfnis, so z.B. ein zwölfjähriger Vierwochendienst in Sebastiansweiler (in Mössingen bei Tübingen) in den 1980er und 1990er Jahren, wobei wir die goldene Hochzeit 1985 und die diamantene Hochzeit 1995 feiern konnten.

Unsere Familie wurde bereichert durch vier Enkel, zwei Enkelinnen und zwei Urenkelinnen.“
In seinem 88. Lebensjahr wurde Werner Bieder am 5. April 1999 nach einem reichen Leben vom Schöpfer und Erlöser in die Ewigkeit abgerufen. Er bleibt in dankbarer Erinnerung.

Familie / Christoph Buff