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Karl Toggweiler

*10.01.1923  †22.03.2016
Bild Karl Toggweiler

nachruf

Karl Toggweiler wurde am 10. Januar 1923 als jüngstes Kind seiner Eltern in Zürich geboren. Seine beiden Schwestern waren bedeutend älter. Die Kinder wuchsen im Industriequartier auf. Die Mutter führte einen Lebensmittelladen, der Vater war Lokomotivführer. In Zürich durchlief Karl Toggweiler die Schulen und bestand im Frühling 1943 die Maturitätsprüfung. Bereits zu dieser Zeit war er Mitglied des Alpenclubs. Die Berge waren seine grosse Leidenschaft.

Nach der Rekrutenschule begann Karl sogleich das Theologiestudium, welches immer wieder durch Aktivdienstperioden unterbrochen wurde. 1945 absolvierte er ein Sommersemester in Paris und plante, im Wintersemester sein Studium in Strasbourg weiterzuführen. Der Tod seines Vaters im Oktober 1946 machte diesem Plan ein Ende: Karl kehrte nach Zürich zurück. Hier und in Basel beendete er sein Studium. Am 7. November 1948 wurde er durch die Zürcher Kirche in Kloten ordiniert. Als Vikar war er an verschiedenen Orten tätig. Der pfarramtliche Dienst in Mühlheim an der Ruhr beeindruckte den jungen Pfarrer stark. Wie in Paris waren auch hier die Schrecken des Zweiten Weltkrieges allgegenwärtig.

1950 heiratete Karl Toggweiler Marianne Bonomo. Die jungen Eheleute zogen nach Ramsen SH, wo Karl seine erste Pfarrstelle übernahm. 1952 und 1954 wurden ihre beiden Söhne geboren. Die junge Familie zügelte 1954 nach Stein am Rhein. Hier folgten 1956 und 1958 die Geburten der beiden Töchter. 1960/1961 lebte die Familie kurz in Greifensee. 1963 zog sie weiter nach Horgen. Hier starb die jüngste Tochter fünfjährig an Leukämie. Aus der damaligen „Jungen Kirche“ in Horgen blieben Karl ein paar Freundschaften erhalten.

1968 zog es Karl Toggweiler zurück in seine Vaterstadt: In Zürich-Wipkingen diente er der Gemeinde in seinem Pfarrerberuf bis 1990.
1972 erlitt er einen ersten Herzinfarkt. Von nun an war sein Leben von dieser Krankheit geprägt. Als 1986 der älteste Sohn bei seiner Arbeit im Bauamt von Zürich ermordet wurde, musste Karls Herz operiert werden. Es folgte eine lange Zeit der Erholung. Das Herz konnte zwar für weitere dreissig Jahre „geflickt“ werden, die Seele blieb schwer verwundet.
Im Zentrum der Arbeit standen bei Karl Toggweiler die Predigten und der Religionsunterricht. Zu seinem Bedauern musste er nach der Herzoperation seine geliebte Tätigkeit als Feldprediger aufgeben.

1988 liess er sich gleichzeitig mit seiner Frau pensionieren. Der neue Wohnort Jenins GR wurde so gewählt, weil seine Frau schon seit Jahren einmal pro Woche in Bad Ragaz zur Therapie ging, sein Göttibueb in Malans eine Hausarztpraxis führte und seine Tochter im Kanton Graubünden eine Familie gegründet hatte. Es folgten unbeschwertere Jahre im Ruhestand. Bahnreisen mit den Enkeln, das Zusammensein mit der Familie und kleinere Reisen zusammen mit seiner Frau als Chauffeuse genoss Karl. Während dieser Zeit übernahm er immer wieder gerne pfarramtliche Stellvertretungen. Er arbeitete oft im Safiental und hatte hier Gelegenheit, seine drei Enkel selbst zu taufen.

Das Haus in Jenins war immer offen; Gäste waren gern gesehen.
Im Frühling 2009 starb seine Frau Marianne unerwartet. Es folgten einsamere und stillere Jahre. Die vielen Bücher und Zeitschriften halfen mit, die Zeit sinnvoll zu verbringen. Im Alter von 86 Jahren lernte Karl noch alltägliche Dinge zu erledigen. Da er immer mehr Mühe mit Schreiben hatte, verlor er viele Kontakte. Mit Hilfe von Spitex und guten Nachbarn war es möglich, dass er auch allein noch in der schönen Wohnung leben konnte.

Im Herbst 2014 wurde der Eintritt ins Altersheim notwendig: Er lebte sich schnell und gut in Schiers ein, liess sich gern verwöhnen, genoss das wöchentliche Bad, beschäftigte sich mit seinen Büchern und Zeitschriften und war weiterhin ein interessierter Gesprächspartner. Der Gedanke, im Altersheim sein Leben zu beenden, wurde ihm immer vertrauter. So konnte er am 22. März 2016 alterssatt und gut aufgehoben sterben. Das Familiengrab in Zürich, seiner geliebten Heimatstadt, ist nun seine letzte irdische Ruhestätte.

(Hauptteil verfasst von der 2009 verstorbenen Ehefrau Marianne Toggweiler- Bonomo und abschliessend ergänzt und vervollständigt durch die Tochter Marianne Hunger-Toggweiler)