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Paul Brütsch

*20.04.1925  †20.05.2013

Einsatzorte

1954 - 1962: Buch, SH
1962 - 1990: Herisau, AR
Bild Paul Brütsch

nachruf

Als der Pfarrer mit dem schwarzen Hut und dem weiten Herzen bleibt Paul Brütsch vielen Menschen in dankbarer Erinnerung. Entsprechend gross ist die Zahl der guten Spuren, die er in seiner langjährigen Tätigkeit in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Herisau hinterlassen hat.
Sein Lebensweg fing im Kanton Schaffhausen an, wo er am 20.4.1925 als ältester Sohn von Paul und Anna Brütsch zur Welt kam. Sein Vater war Schlossermeister mit einem eigenen Betrieb in der Altstadt von Schaffhausen. Obwohl er schon in seiner Kindheit den Wunsch verspürte, Pfarrer zu werden, machte er zuerst die Lehre als Schlosser im Familienbetrieb. Als Mitglied der jungen Kirche nahm er aktiv am christlichen Leben teil. Dabei wurde ihm seine Berufung zum Pfarrer immer bewusster. Dort lernte er auch seine zukünftige Ehefrau Veronika Vogelsanger kennen. Paul holte die Matura auf dem zweiten Bildungsweg nach und konnte im Herbst 1949 mit dem Theologiestudium beginnen.
Das Studium absolvierte er an verschiedenen Fakultäten: Zürich, Tübingen und Basel waren seine Stationen, an denen er jeweils führende Theologen der Nachkriegszeit erlebte. Es ist eine beeindruckende „Who-is-who-Liste” deutschsprachiger Theologieprofessoren, die er erlebte: Beispielsweise Karl Barth, Fritz Blanke, Emil Brunner, Oscar Cullmann und Eduard Schweizer. Paul schreibt über diese Zeit: „Allen diesen Herren verdanke ich sehr viel, so dass es mir schwerfällt festzustellen, welcher den grössten Einfluss auf mein theologisches Denken ausübte. Das scheint mir kein Nachteil zu sein. Den einzig wahren Einfluss will gewiss Gott selber auf uns ausüben. Diesen Einfluss versuche ich auf mich wirken zu lassen, wobei das Rüstzeug der Universität mir wertvolle Hilfe bedeutet.“
Nach dem erfolgreichen Studium und Vikariat in Wilchingen wurde er am 21. November 1954 in der Kirche St. Johann zu Schaffhausen ordiniert. In der Kirchgemeinde Buch, Schaffhausen, übernahm er am 12. Dezember 1954 seine erste Pfarrstelle. Über die Tätigkeit als Pfarrer schrieb er: „Als erste Aufgabe im Pfarramt betrachte ich das Hören auf Gottes Wort. Nur, wenn ich Zeit finde Gottes Anspruch in meinem eigenen Leben zu erkennen und zu bejahen, ist es mir möglich, von diesem Anspruch zu zeugen.“ 1962 folgte er der Berufung nach Herisau, wo er bis zur Pensionierung im Jahr 1990 tätig war.
Paul Brütsch war kein Macher, sondern eher ein Vermittler, was dem damaligen Pfarrteam zugute kam. Es war wohl sein tolerantes und freundliches Wesen, welches die Tür von so vielen Herzen öffnete und ihn zu einem äusserst beliebten Pfarrer machte. Denn er hatte die feine Gabe, Menschen in ihrer Andersartigkeit anzunehmen und ihnen Wertzuschätzung entgegenzubringen.
Neben der Betreuung seiner pfarramtlichen Aufgaben fand Paul Brütsch Zeit und Kraft, sich auch sozialen Werken und gemeinnützigen Aufgaben zu widmen: Er wirkte als Mitglied des Einwohnerrates (FDP) und war in der Schulbehörde tätig. Er präsidierte den Verein Pro Juventute sowie den Stiftungsrat der Pensionskasse Perkos und engagierte sich als Vorstandsmitglied der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft.
Auch nach seiner Pension blieb er der Appenzeller-Kirche treu und übernahm nach Möglichkeit Gottesdienste, Kasualien sowie längere Vertretungen. Erwähnenswert ist speziell sein Engagement in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Appenzell. Dort stand er während längerer Zeit der Kirchgemeinde zur Seite, als es Turbulenzen und Veränderungen gab. Am Pfingstmontag, 20. Mai 2013, ist er nach geduldig ertragener Krankheit im 89. Lebensjahr zu seinem Schöpfer zurückgekehrt.

Mark Hampton, Pfarrer Herisau / Flawil