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Kein Pfarrlohn mehr wegen Corona

Lebensmittelhilfe DR Kongo 2021 (Foto: Connexio)

Lebensmittelhilfe DR Kongo 2021 (Foto: Connexio)

Die Überseeische KollegInnenhilfe Schweiz unterstützt seit sechs Jahren den Solidaritätsfonds von Connexio für Pfarrfamilien der Evangelisch-methodistischen Kirche in der D.R. Kongo. Mit einem Beitrag von 5’000 Fr. wurden wegen Lohnausfällen angesichts von Corona 600 Pfarrfamilien-Haushalte in Nord-Katanga mit Nahrungsmitteln (Reis, Mais, Salz, Öl) und Hygieneartikeln (Seife) versorgt.
Christian Zurbuchen, Präsident,
Im Anschluss an die online-Mitgliederversammlung vom 4. Juni 2021 führte Bettina Lichtler über ZOOM ein Gespräch mit Jean-Paul Dietrich in Lubumbashi, D.R. Kongo. Der aus der Schweiz stammende Koordinator von Connexio arbeitet vor Ort mit der dortigen Kirche zusammen und kennt den Kongo auch aus seiner Zeit als Sprecher der UN-Friedensmission im Kongo. Er berichtete über die Situation im Land mit Fotos und Videoausschnitten.

Die D.R. Kongo gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Während ausländische Minenbetreiber den Reichtum an Coltan, Kupfer, Gold und anderen Bodenschätzen abbauen, leidet das Land unter einer immer schlechteren Infrastruktur. Strassen sind während der Regenzeit unpassierbar; eines der beiden Spitäler der Methodistenkirche ist überhaupt nur mit dem Flugzeug erreichbar.

Ohnehin tiefer Pfarrlohn
Im mehrheitlich christlichen Land gehört die Evangelisch-methodistische Kirche zu den stark wachsenden Kirchen und zählt zurzeit gegen zwei Millionen Mitglieder in mehrheitlich sehr abgelegenen Regionen. Die Pfarrgehälter in diesen Kirchgemeinden sind mit 30 bis 40 Franken im Monat so niedrig, dass den Pfarrfamilien trotz Anbau eigener Lebensmittel für die Schulung ihrer Kinder oder bei einem Krankheitsfall das Geld fehlt. Da während der Corona-Pandemie vom April bis August 2020 Gottesdienste verboten waren und bis heute der Gottesdienstbesuch stark zurückging, fehlen der Kirche die nötigen Kollekten zur Bezahlung der Pfarrpersonen.

Dank eines Solidaritätsfonds kann ein vom Bischof geleitetes Komitee in Notfällen dringend benötigte Hilfe leisten. In einem eingespielten Kurzvideo dankte der Diözesan-Bischof der Überseeischen KollegInnenhilfe Schweiz für die regelmässige Unterstützung dieses Solidaritätsfonds.

Konflikte in Bergbauregion
Nach dem informativen Referat beantwortete Jean-Paul Dietrich Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am ZOOM-Gespräch, z.B.: Wie erleben die Kirchgemeinden die militärischen Konflikte in den Minenregionen des Ost-Kongos? Seit Jahren bekämpfen sich das Militär und bewaffnete Milizen, die zum Teil aus dem benachbarten Burundi kommen. Die Kirchen beherbergen und versorgen regelmässig die zahlreichen Binnenflüchtlinge.

Frauen aus verschiedenen Konfessionen starteten ein Friedensprojekt mit Namen „Uvira“. Mit eigens komponierten Liedern, Theaterszenen und bedruckten T-Shirts besuchen Chöre und Frauengruppen die Marktplätze. Ihre Überzeugung: „Mit uns Frauen ist Frieden möglich“. In Friedens-Seminaren tauschen sich Pfarrpersonen aus den Dörfern über ihre schwierige, aber wichtige Rolle mitten im Bürgerkrieg aus.

Gottesdienst ist eine Auszeit
Jean-Paul Dietrich betonte, wie wichtig den Menschen in der D.R. Kongo die Zugehörigkeit zu einer der zahlreichen Kirchen ist. In den Gottesdiensten mit Liedern, Tänzen und Gebeten erfahren sie Stärkung, eine kurze Auszeit in all den Belastungen ihres Lebens.

Die Überseeischen KollegInnenhilfe dankt Jean-Paul Dietrich für sein informatives Referat und für das ZOOM-Gespräch direkt aus Lubumbashi.

Horgen, 6. Juni 2021
Christian Zurbuchen, Präsident Überseeische KollegInnenhilfe
Bereitgestellt: 07.06.2021     Besuche: 56 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch