Bern: Nur halb so schlimm?

IP-1-2021-Martin-Leuenberger (Foto: Mark Haltmeier)

Im letzten November wurden bei der Berner Synode die Pfarrpersonen von der Budgetabstimmung ausgeschlossen, bei der es um die Gewährung von zusätzlichen Gehaltsstufen für das Jahr 2021 ging. Die Ausstandsregeln, auf die sich das Synodebüro dabei berufen hatte, dürfen aber bei einer parlamentarischen Abstimmung nicht angewendet werden. Zum ganzen Vorgehen schreibt Martin Leuenberger, Präsident des Berner Pfarrvereins, Folgendes:
Martin Leuenberger
Spielregeln
Allzu gerne würde (würde!) ich mitteilen, dass der Start im 2020 nach der Übergabe der Pfarr-Dienstverhältnisse vom Staat an die Landeskirche vollauf geglückt sei…
Das würde(!) – in Bezug auf die Synode, die erstmals über ein Budget mit den Pfarrlöhnen befinden konnte - etwa so tönen:
Die Finanzkommission erarbeitete rechtzeitig einen Budgetentwurf. Wegen rückläufiger Finanzen, und weil die Sparmassnahmen diskutiert werden müssen, war die Frühzeitigkeit umso wichtiger.
So konnten die Fraktionen sich eingehend damit auseinandersetzen, was uns unser Kirche-Sein wo kosten soll.
Ein grosser und wichtiger Posten sind die Löhne – einerseits für die Pfarrschaft, andererseits für die Angestellten im Haus der Kirche. Klar ersichtlich sind zudem die Staatsbeiträge, die Höhe (oder Tiefe) der zu erwartenden Rotationsgewinne, und auch die sich abzeichnenden Einsparungen infolge von Stellenkürzungen nach Mutationen.
So kann die Synode diskutieren und darüber abstimmen. Schön, wenn sich der Synodalrat als neuer Arbeitgeber hier vor seine Pfarrpersonen stellt und sich für gute Verhältnisse einsetzt... (…denn gut ausgebildete und motivierte Pfarrerinnen und Pfarrer findet man nicht auf der Strasse.)
Aufgrund dieses von der Synode bewilligten Lohnbudgets kann der Synodalrat den Aufstieg der Gehaltsstufen festsetzen. Dies liegt in seiner Kompetenz. So steht es im Personalreglement. Und dafür hat er einen gewissen Spielraum.
Im Sozialpartnergespräch wird gemeinsam mit den Arbeitnehmenden eine einvernehmliche Lösung gesucht.
Daran teil nimmt neben einer Abordnung des Synodalrats eine Vertretung des Pfarrvereins sowie der Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands, dem der Pfarrverein nach wie vor angehört.

So sollte es sein.
Leider ging an der online abgehaltenen Synode im November einiges schief. So wurden die Synodalen mit einer von der Finanzkommission kurzfristig vorgelegten Kürzung des Budgetentwurfs bei den Löhnen überrumpelt. Ebenso handstreichartig wurden dann die Pfarrpersonen in der Synode offline gestellt. Die dürftige Erklärung dafür: Sie fielen unter die Ausstandspflicht. So beschloss die «Restsynode» eine Nullrunde für die allermeisten Pfarrpersonen.
Vom Synodalrat mochte sich niemand für die Pfarrpersonen einsetzen oder sich an das erinnern, was am Sozialpartnergespräch vereinbart worden war.
Ein von betroffenen Synodalen unter Vermittlung von Pfarrverein und BSPV in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten hilft nun die Spielregeln klarzustellen (dieses findet sich auf der Homepage des Pfarrvereins Bern-Jura-Solothurn.)
Erste Reaktionen aus dem Haus der Kirche stimmen im Blick auf diese Klärung und zukünftige synodale Prozesse zuversichtlich.
Dass unsere Berufsgruppe aus der Synode ausgesperrt wird, sollte nie mehr vorkommen!
Bereitgestellt: 12.03.2021    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch