In Erwartung einer Schweizer Kirche

IP-3-2020-Elio-Jaillet <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Mark&nbsp;Haltmeier)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>3810</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Das Risiko, dem sich die EKS aussetzt, ist das Risiko jeder überörtlichen Kirche: bloss eine Idee zu bleiben oder nur die Kirche ihrer Verwalterinnen und Verwalter zu sein. Sie verspricht der Ortskirche Belebung durch die überörtliche Gemeinschaft. Hier folgt eine Meditation über diese Spannung aus einer persönlichen Haltung heraus.
Elio Jaillet
Leere
Ich kenne die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) nicht. Ich weiss, wo Informationen über sie zu finden sind. Ich halte sie durchaus für eine christliche Kirche. Ich weiss auch, dass sie existiert, irgendwo, bei Gott. Aber ich kenne sie nicht.
Ich habe im Rahmen einer «Kirche Schweiz» noch nie gefeiert, gedient oder gestritten. Als Mitglied der evangelisch-reformierten Waadtländer Kirche gehöre ich anscheinend dazu. Aber ich kenne sie nicht.
Was also kann ich über sie sagen, mir von ihr erhoffen? Was kann ich erwarten von etwas, das mir vielmehr den Anschein eines abstrakten Konzepts, einer Idee macht als den einer lebendigen und konkreten Wirklichkeit?

Erfahrung
In meiner Laufbahn hatte ich das Glück, mit Theologinnen und Theologen verschiedener Schweizer Fakultäten zusammenzukommen. Solche Treffen sind mir eine Ankündigung dessen, was die EKS versprechen kann.
Der Think Tank Theology und das Collegium Emmaus ermöglichen mir, über kirchliche Redensweisen und Zugehörigkeiten Glaubensbande zu knüpfen. Wir haben gemeinsam gebetet, gesungen und gefeiert. Wir sind menschlich und intellektuell aufeinander zugegangen, wir haben debattiert. Waren wir Leib Christi? Ich kann es nur hoffen.
Mit der Zeit haben sich manche dieser Beziehungen gefestigt, andere gelöst. Der Grundtenor ist allerdings, dass wir alle in unserer Ecke leben, mit unseren Problemen, mit unseren Kirchen.

Schwächen
Letzthin haben sich im Zug des Lärms aus der EKS einige dieser Beziehungen wiederbelebt. Auf einmal wiegt die Situation schwer. Es gilt Allianzen zu schmieden, über Strategien zu reden, die auf dem Spiel stehenden Kräfte und Profile abzuwägen. Dabei komme ich ins Grübeln: Auf was für ein Spiel läuft das hinaus? Geht es um das, womit wir uns bei unseren ersten Treffen beschäftigt hatten?
Im nicht gerade kleinen Kanton Waadt bringen wir kaum eine Kirche zustande, die in der Vielfalt ihrer Mitglieder eins wird. Diese Kirche ist in ihrer Verwaltung und in ihrer Struktur eins. Aber die Vielfalt der Glaubensreden und -erfahrungen widersetzt sich einer allzu raschen Verbündung, die die Langsamkeit der Begegnung, der Konfrontation und des einander Zuhörens, der Sorgfalt und der damit verbundenen Askese ausser Acht lässt.
Positive Begegnungserfahrung und Verwaltungseinheit allein gewährleisten die Existenz der Kirche nicht. Wie sollte das für eine schweizweite reformierte Kirche anders sein?

Verheissungen
So weit meine Hoffnung: die EKS, erfüllt von vielerlei Verheissungen – Einheit in Christus in der sprachlichen, geschichtlichen, normativen, institutionellen, theologischen Vielfalt – kann daran arbeiten, dass die Ortskirchen über ihre Grenzen hinausblicken, sie kann landesweit Zeugnis vom Glauben an Jesus Christus ablegen, und zwar indem sie ihre Mitglieder dazu veranlasst, sich in ihrer unumstösslichen und unerhörten Vielfalt zu begegnen.
Aber sie soll sich nicht allzu sehr beeilen, lieber Gott, sondern sich Zeit zu ihrem Entstehen lassen. Nicht nur ihren Amtsträgern (Synode, Synodalrat, Kommissionen usw.), sondern ihren Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich zu begegnen. Sie soll sich Zeit nehmen, eins zu werden, damit ihr Zeugnis nicht zur Falschaussage und sie selbst zur Totgeburt verkommt.
Bloss weil sie eine Synode hat und Dokumente, existiert sie nicht. Bloss weil sie sich in der Öffentlichkeit äussert, existiert sie nicht. Sie wird aus den konkreten Begegnungen jener existieren, die sich ihrer radikalen Unterschiede noch gar nicht bewusst sind und die sich die Mittel geben, in dieser Begegnung zu bestehen.
EKS, ich kenne dich nicht. Aber ich erhoffe mir dich, ich bete dafür, dass du zum Termin das Licht der Welt erblickst.
Bereitgestellt: 04.09.2020     Besuche: 4 heute, 78 Monat
 
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