Ausbildung jugendlicher Jugendarbeiter

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Gnade? Für mich wurde uns Kirche gegeben, als wir unter Pfarrern und Diakonen, Frauen und Männern, verantwortlich für die Jugendarbeit der Waadtländer Kirche (Église évangélique réformée du canton de Vaud, EERV), zusammen mit Freiwilligen, auch mit den Jugendlichen und den Kindern, die uns anvertraut worden sind, sowie der Kirchenleitung, die verschiedenen Ausbildungen JACK [1] aufbauen konnten. Es wurde uns Gemeinschaft in Christus, eine Vision, geteilter Glaube geschenkt.
Armin Kressmann
Es ist das Jahr 2000, die EERV erlebt eine grosse Umstrukturierung: Zusammenarbeit, im Netz, Spezialämter, Regionalisierung usw. Die Kompetenzen, Charismen würden wir sagen, werden ernst genommen und valorisiert. Das Umfeld ist nicht mehr das gleiche. Für die Familien ist es nicht mehr selbstverständlich, ihre Kinder der Kirchgemeinde, „dem Pfarrer“, enfach so anzuvertrauen. Sie wollen wissen, ob die Mitarbeiter auch auf der Höhe ihrer Aufgaben sind; eine tolle Arbeit, aber mit grosser Verantwortung. Es gilt also, den Übergang von einer „familiären“ zu einer „professionellen“ Begleitung zu gestalten. Die Erwartungen und Ansprüche steigen, und dies betrifft alle Bereiche und Organisationen, die Kinder und Jugendliche betreuen. Zusammenarbeit ist angesagt, in der Kirche und mit den weltlichen Partnern: Pfadfinder, Jugendorganisationen, Jugend und Sport, Espoir romand usw. Die Kirchen betreuen zwar viele Kinder, doch die Begleitung ist noch nicht formalisiert. An die Arbeit also !

Die Erarbeitung der Grundlagen
Zuerst setzen sich die Verantwortlichen der Kinder- und Jugendarbeit aus den verschiedenen Regionen zusammen, immerhin zwanzig Personen. Dann vereinen wir all die Jungen, die schon Verantwortung tragen, in Jugendgruppen, Lagern, junge Frauen und Männer, die vielleicht schon Ausbildungen im Sozialbereich genossen haben. Mit ihnen bauen wir die ersten Ausbildungen auf. Es zeigt sich, dass viele Kompetenzen schon da sind. Die Zusammenarbeit führt auch zu Freundschaften. Spezialisten werden eingeladen, es wird über die Kantonsgrenzen hinweg geschaut. Was geschieht anderswo? Man lernt voneinander, und so entsteht das, was wir JACKs B nennen, eine Ausbildung Jugendlicher, die eine gemeinsame Vision haben und Verantwortung in Lagern und kirchlichem Unterricht tragen können. Aber es fehlt noch die Anerkennung in der Öffentlichkeit, was nicht von vornherein gewonnen ist. „Ah, Kirche...“ Geduld und Überzeugungsarbeit tragen schlesslich Früchte. Neue Ausbildungsstufen kommen hinzu. Neben den technischen Ansprüchen leiten uns drei Prinzipien. Zuerst wollen wir den Jugendlichen eine Perspektive geben; in der Arbeitswelt würde man von „Karriere“ und „Karriereplanung“ sprechen: JACKs A, B, C… Lagerleiter… Kirchgemeinderat… Theologiestudium… Kontakt mit den ehemaligen Konfirmanden behalten, JACKs A, sie begleiten, selbst als Begleiter willkommen heissen und sie einladen weiterzumachen. Dann wollen wir, dass die Vermittlung wenn immer möglich zwischen den Jugendlichen selbst stattfindet, Begegnung unter Ihresgleichen, auf der einen Seite jene, die das Projekt mittragen, auf der anderen Seite die, welche das Zielpublikum repräsentieren. Schlussendlich gilt es, was immer auch die Ausbildungen und technischen Ansprüche sind, Spiritualität und Glaubensfragen einzubringen. Jede Aktivität, nicht nur Gebet, Meditation und Gottesdienst, hat eine spirituelle Dimension. Gott unter uns, auch auf dem Fussballfeld, die Auswirkungen für das tägliche Zusammenleben sind beträchtlch; man könnte es Ethik oder Moral nennen.

Wir sind nicht allein
Gut so, aber es gibt noch Andere, wir sind nicht die Einzigen. Oekumene ist angesagt, auch aus praktischen Gründen, z.B. der Gesellschaft gegenüber, aber vor allem aus Überzeugung. Welch eine gegenseitige Bereicherung, mit katholischen und evangelikalen Kollegen, mit den Pfadfindern und anderen Milieus zusammenarbeiten zu dürfen, Jugendliche verschiedenster Konfessionen und Überzeugungen in gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten zu sehen. Und dann, was die Professionalisierung betrifft: in der Schweiz, in diesem Bereich, läuft sie über Jugend und Sport. Wie den Ansprüchen des Bundes genügen und gleichzeitig die Sorge um die Spiritualität beibehalten? Andere Kompetenzen sind gefragt, andere Kollegen übernehmen.

Und jetzt?
Nach zwanzig Jahren sind die JACKs in unserer Kirche allgemein anerkannt. Der Name ist, symolisch gesprochen, „AOP, Appellation d‘origine protégée“. Von den ersten JACKs sind einige Pfarrkollegen geworden. Und was am Anfang Traum war, ist heute Wirklichkeit: die Jugendlichen übernehmen selbst Verantwortung für das ganze Projekt. Wir sollten sie besser anerkennen, auch vergüten, und vor allem wertschätzen und als Geschenk annehmen, und nicht als Konkurrenz oder von ihnen nur als Mittel zum Zweck profitieren. Auch Kirchen bleiben von Instrumentalisierung nicht verschont.
Für mich persönlich ist das Projekt JACK Kirche im besten Sinn, ein Ort, wo all die, welche sich engagieren, im Glauben wachsen und dann auch praktisch vermitteln können, was sie entdeckt haben, und das im Dienst des Anderen.

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Pfarrer im Ruhestand, wenn angefragt immer noch aktiv, Molekularbiologe, Clown, Maler, Grossvater und Blogger: » www.ethikos.ch

[1] JACK – Jeune Accompagnant de Camps et Katéchisme : jugendliche Begleiter in der Jugendarbeit.
Bereitgestellt: 22.11.2019     Besuche: 72 Monat
 
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