Religionspädagogisches Handeln in Bern - Eine dimensionale Perspektive

ip-4-2019-Rahel-Voirol-Sturzenegger<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>3621</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Religiöse Bildung ist „Kommunikation des Evangeliums“ (Ernst Lange). Das Evangelium – die gute und befreiende Botschaft eines den Menschen zugewandten Gottes – braucht passende Kommunikationsformen. Dazu gehört, dass das Evangelium nicht einfach gelehrt und vermittelt werden kann, sondern dass es dazu einen wechselseitigen Erlebens- und Kommunikationsprozess braucht.
Rahel Voirol-Sturzenegger
In der Berner reformierten Landeskirche steht die Neukonzeption des Religionspädagogischen Handelns (RpH) an. Derzeit entwickelt eine Arbeitsgruppe einen Konzeptvorschlag, der im kommenden Jahr in die Vernehmlassung kommen soll. Auf der Suche nach einem möglichst ganzheitlichen Zugang geht sie von sieben Zieldimensionen kirchlicher Religionspädagogik aus. Sie sind das Fundament, auf dem religionspädagogische Angebote aufbauen sollen. Meist deckt ein Angebot gleichzeitig mehrere Dimensionen ab. Es soll aber auch Angebote geben, die einzelne Dimensionen betonen.

Sieben Zieldimensionen
In der Dimension der Subjektorientierung stehen die Heranwachsenden selbst, mit ihren Interessen, ihren Bedürfnissen, ihren Erfahrungen und ihrem Vorwissen, im Mittelpunkt. Biblische und dogmatische Inhalte – die zweite Dimension – sollen so ins religionspädagogische Handeln eingebracht werden, dass sie die Heranwachsenden in ihrem Subjektsein und ihrer Sozialität stärken und ihnen Ressourcen für eine sinnvolle Lebensgestaltung bieten. In der Dimension der Initiation werden junge Menschen bei den Übergängen von der Kindheit ins Erwachsenenalter religionspädagogisch begleitet. Die Kirche ermächtigt die Jugendlichen zur schrittweisen Übernahme von Verantwortung und spricht ihnen Gottes Segen für ihren persönlichen Weg in der Gemeinschaft von Menschen zu. (Religiöse) Erlebnisräume und ganzheitliche Zugänge zu biblischen, kirchlichen und entwicklungsorientierten Themen bilden die Dimension der Erlebnisorientierung. Religionspädagogisches Handeln führt aber auch ein in die tätige Liebe zu den Nächsten und das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (Dimension Diakonie). Auch die Beziehung zum Göttlichen ist eine wichtige Dimension religionspädagogischen Handelns (Dimension Spiritualität). Den Heranwachsenden werden Erfahrungsräume des Glaubens eröffnet, die ihnen helfen, ihr Leben als verbunden mit Gott und allem Lebendigen wahrzunehmen und eigene Ausdrucksformen für ihren Glauben zu entwickeln. Lernort einer solchen kirchlichen Religionspädagogik ist die – nicht nur örtlich gemeinte – Kirchgemeinde (Dimension Orientierung an Kirche und Gemeinschaft). Die Heranwachsenden können sich mit kirchlichen Räumen, Gemeindemitgliedern und Formen kirchlichen Handelns bekannt machen. Sie sollen die Kirche als möglichen Ort für sich entdecken und zur aktiven Mitgestaltung angeregt werden.

Dimensionen von Kirche-Sein
Dass hier nicht einfach von Zielen, sondern von Zieldimensionen gesprochen wird, weist darauf hin, dass diese einzeln genannten Ausrichtungen je in einem grösseren Zusammenhang zu betrachten sind. Die Dimensionen betreffen Bildungs- und Begegnungsräume im Leben der gesamten Kirchgemeinde. Sie nehmen die Heranwachsenden sowohl als Einzelne in ihrer individuellen Entwicklung als auch als Teil der Gemeinschaft wahr. Sie sind Angebot mit Geschenkcharakter und eröffnen Partizipationsmöglichkeiten. Zum Beispiel die Dimension Diakonie: Hier lernen die Heranwachsenden Erzählungen von der Zuwendung Gottes und den ethischen Auftrag an die Menschen kennen. Sie erfahren persönliche Unterstützung für ihre Lebensaufgaben und erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, sich an diakonischen Projekten zu beteiligen und selbst Verantwortung für ihre Mitwelt zu übernehmen.

Religionspädagogisches Handeln ist Kirche
Mit der Ausrichtung an diesen Dimensionen soll deutlich werden: Religionspädagogisches Handeln ist nicht ein separates Handlungsfeld, sondern wesentlicher Bestandteil kirchlichen Lebens. Es gilt, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen umfassender und stärker vernetzt zu denken. Religiöse Bildung ist ein lebenslanger Prozess. Als „Kommunikation des Evangeliums“ setzt sie sich im gesamten Generationenbogen einer Kirchgemeinde und über alle kirchlichen Angebote und Mitwirkungsfelder fort.

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Rahel Voirol-Sturzenegger hat zum Thema Kirchliche Religionspädagogik in der Schweiz promoviert. Sie ist Dozentin RefModula und Mitglied der Arbeitsgruppe RpH, die mit der konzeptionellen Weiterentwicklung der KUW betraut ist. Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Patrick von Siebenthal, Fachstellenleiter Weiterbildung und Beratung KUW (Leitung), Christoph Kipfer, Beauftragter Jugend, junge Erwachsene und Generationen im Bereich Gemeindedienste und Bildung, und PD Dr. Stefanie Lorenzen, Dozentin für Religionspädagogik an der Uni Bern.
Bereitgestellt: 22.11.2019     Besuche: 75 Monat
 
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