Palästina vor bald 2000 Jahren

IP-2-2019-Werner-Naef<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>3512</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Zum Abschied entführt uns Werner Näf nach Palästina vor 2000 Jahren, eine Begegnung, die er anschliessend aus aktuellem Anlass kommentiert.
Werner Näf
Jesus: Der Zwölfte ist dazugekommen, ich schliesse die Rekrutierung ab. Nach Sichtung der erlangten Kompetenzen habe ich lohnwirksam entschieden, wer Teamleader wird.
Petrus: Super, mach ich gern.
Jesus: Wir bilden die Fachgruppe Termin- und Reiseplanung, die Finanzabteilung und die Approbationskommission für neue Jünger. Das Ressort Kommunikation bleibt vorderhand bei mir. Wer protokolliert gern?
Petrus: Reden kann ich besser als schreiben.
Judas: Die Finanzen interessieren mich. Wichtig ist das Spesenreglement.
Jesus: Matthäus, Protokoll führen wär’ doch was für dich? Du baust ein gutes Ablagesystem auf, gell?
Matthäus: Ähm
Jesus: Deine Kompetenzen sprechen dafür. Weisst du, wenn wir in den ersten drei Jahren die Struktur nicht hinbekommen, wird das nichts mit dem Reich Gottes.
Fast hätt’ ich’s vergessen: Ich bin im Gespräch mit Johannes dem Täufer, wir planen eine Jüngerfusion. Das bündelt die Ressourcen
.

Strukturen und Hierarchien absorbieren zu viele Kräfte und Zeit, lähmen, machen ineffizient – während Jahren. Natürlich braucht es Strukturen und sie sollen klug überdacht und anpassbar sein. Strukturen sind Stützen dessen, was jetzt lebt und sie ändern sich mit dem Leben, das sich entwickelt. Strukturen haben noch nie neues Leben geschaffen.
Ordinierte Personen und geistliche Leiter blicken auf die Wandernden – Jesus, die Jüngerschar, das Gottesvolk – und auf das dynamische, lebendige Wort. Es wäre ihre Aufgabe, diese Bewegung in die Gemeinde zu bringen – wenn auch manche auf die suggerierte Sicherheit von Strukturen hereinfallen. Wir sind doch nicht structurae ecclesiae minister, oder?
Wenn die durch die Ordination Beauftragten den Geist des dynamischen Wortes nicht in der Kirche erhalten können, wird sich die Organisation zu Tode strukturieren. Paradoxerweise benötigen die Ordinierten für diese geistliche Aufgabe einen Platz innerhalb der Struktur, in dem sie etwas bewegen können. Darum ist die Volkswahl der Pfarrpersonen wichtig, die Machtverteilung in den Kirchgemeinden – wer entscheidet wirklich? – sowie der Platz der Theologie in der Kirchenleitung kantonal und national bei der EKS.

Das PfarrAMT ist tot
Das PfarrAMT ist tot. Gemerkt haben es noch nicht alle. Was die Ordinierten denn seien, ist unklar geworden. Dem PfarrAMT hatte man zu viel aufgebürdet und das mit zugeordneter Würde kaschiert. Dem Pfarramt als Thron für Beffchenträger trauert man wohl nicht nach. Allerdings kommt auch die kompetenzgeformte, klassisch-moderne Pfarrperson in manchen Zukunfts-Szenarien nicht mehr wirklich vor (z.B. in den von der Pfarrausbildung veranstalteten Tagungen «Startup» und «Vitale Gemeinde»).
Entscheidend wichtig für die Zukunft ist die Frage: wer macht all das, was dem PfarrAMT zugeordnet war, wenn die Konzentration aller Aufgaben auf eine Person nicht mehr funktioniert und wenn zu wenige Pfarrpersonen für die Arbeit in den Kirchgemeinden vorhanden sind?
Da ist die Praktologie gefragt, mit einer Ämterlehre, die von differenzierten Geistbegabungen ausgeht, neue Kirchenformen mit einbezieht und nicht einen «Stand» definiert, sondern den Platz des verbi divini in der Gemeinde.
Vielleicht ist es auch die Universität, die fragen muss, was die Ordination sei und wie die Kirche eine Ordination als Lebensverpflichtung fordern könne, wenn sie die Ordinierten nachher wie gewöhnliche Angestellte behandle?

Anti-Pfarr-Groove
Der Pfarrverein muss zusammen mit den Kirchenleitungen überlegen, was die pfarr-unfreundliche Stimmung in den Teams bedeutet. Der Anti-Pfarr-Groove – Zitat aus der Delegiertenversammlung – auch in den Behörden sowie die strukturellen Rückstufungen machen den Pfarrberuf nicht attraktiv.
Allerdings müssen wir uns ernsthaft fragen, wieviel Schuld wir selbst am Anti-Pfarr-Groove haben. Überheblichkeit, Bestimmen statt Überzeugen, Dienst nach Vorschrift und was sonst noch schlechte Stimmung machen kann: ja das gibt es unter uns. Gegen innen müssen wir uns auch für die menschliche Qualität unserer Arbeit einsetzen. Wie? Schwierig, ich möchte ja dem Kollegen nicht am Zeug herumflicken. Aber wer macht es denn, wenn nicht wir selbst? Vielleicht ist das Dekanat hier gefragt?

Weiterarbeit Pfarrverein Schweiz
Die Arbeit des Pfarrvereins hat sich in den letzten 10 Jahren verändert. Gewerkschaftliche Aufgaben gehören nicht mehr auf die nationale Ebene. Viel wichtiger ist das vernetzende Gespräch zwischen den (Sprach-)Regionen, mit den Verantwortlichen in Aus- und Weiterbildung, Universitäten, mit anderen Berufsgruppen und mit Kirchenleitungen. Schwerpunkt muss aktuell die «Gouvernance» sein, die Leitung der Kirche auf allen Ebenen.
Das Sensorium dafür, was passiert, muss feiner und schneller werden. Was passiert in der Stadt Zürich mit den 70 Pfarrpersonen in dieser Grosstruktur mit 100 Mio. Umsatz? Was lernen wir daraus?
Die jährliche Delegiertenkonferenz reicht nicht mehr, es geht alles schneller. Vielleicht ist eine Präsidienkonferenz richtig: Probleme schnell wahrnehmen und dann die Solidarität aus den Kantonen spürbar werden lassen. Der schweizerische Vorstand hat selbst sehr wenige Möglichkeiten; wenn die Handlungskraft der Sektionen nicht mithilft, kann nichts passieren.
Wir sind verteilt über das ganze Land, was durch die Reiserei alles träge macht. Eine gute elektronische Zusammenarbeit sowie Videokonferenzen haben sich als deutlich effizienzsteigernd erwiesen. Einige Ergebnisse werden so überhaupt möglich. Der träge Sitzungsrhythmus ist richtig, verhindert aber oft zeitnahe Reaktion.
Die Arbeit im Vorstand des SRPV war für mich interessant: viele intensive Gespräche, konzeptionelle Überlegungen, Kennenlernen spannender Personen, der Kontakt in die Romandie. Vieles werde ich vermissen. Die Arbeit des SRPV ist wichtig und ich hoffe, dass bald neue Vorstandsmitglieder gefunden werden. Adieu!
Bereitgestellt: 14.06.2019    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch