Durch Jahreszeiten und Kantone

IP-2-2018-Sibylle-Peter<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>2852</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Schweizerischer Reformierter Pfarrverein Jahresbericht 2017
Sibylle Peter
Im Frühjahr war die Delegiertenversammlung vom 24. April 2017 gut besucht – zur Freude des Vorstands, der auch die Qualität der Diskussionen an diesem Anlass zu schätzen wusste, besonders zum Artikel » www.pfarrverein.ch/geist-und-verwaltung aus der Feder von Werner Näf, nachdem die 2016 beschlossene Studie wegen fehlender Partner und finanzieller Mittel nicht zustande gekommen war. Die Herausforderung, die Struktur- und Organisationsänderungen in unseren Kirchen theologisch zu reflektieren, erweist sich in mehreren Kantonen als zentral. Im Kontext von umfassenden kirchlichen Restrukturierungen und Säkularisation traf Blaise Menu (GE) auf eine interessierte Zuhörerschaft mit seiner Aussage: «Der Wind bläst aus Westen». Mehrere Delegierte sind interessiert daran, das Thema nicht fallen zu lassen; die Idee einer Tagung oder eines Seminars wurde lanciert. Der Vorstand hat sich dem Thema gewidmet und entschieden, Partner zur Organisation einer Reflexions- oder Forumstagung zu suchen.

Verena Salvisberg ihrerseits beteiligt sich im Rahmen ihrer Europakontakte seit letztem Jahr an den Vorbereitungen eines zweitägigen Treffens zusammen mit den badischen Kolleginnen und Kollegen. Sie ist Mitglied im Organisationskomitee der Deutschen und fährt jeden zweiten Monat nach Karlsruhe an die Vorbereitungssitzungen im Hinblick auf ein interessantes Programm für uns alle. Unter den vorgesehenen Referenten ist insbesondere eine Journalistin, die ihre Gedanken zum Thema «Mein Grabstein auf Facebook» mit uns teilen, und Fulbert Steffensky, der über «Nichts muss ganz gelingen – nicht einmal der Tod» reden wird.

Die Tagung findet am 4. und 5. November 2018 in Basel statt, unter dem Thema «Der Mensch am Ende – am Ende der Mensch»
» www.pfarrverein.ch/tagungsanmeldung

Im Sommer hat sich der Vorstand in Neuenburg zu seiner Junisitzung getroffen. Am Vormittag wurden wir vom Amt für Weiterbildung zum Jahrestreffen mit Partnern der Weiterbildung aus der ganzen Schweiz empfangen. Der Austausch mit den Ausbildnern erwies sich als konstruktiv; seit letztem Jahr waren wir an einer Partnerschaft für ein Projekt interessiert. Es wird für den 7. September 2018 in Zürich konkrete Gestalt annehmen. Aus den Diskussionen gebe ich ein paar Feststellungen weiter, die der Vorstand aufgenommen hat und die uns aufhorchen lassen: die deutsch- und die französischsprachigen Schulungsleiter sind beunruhigt darüber, dass immer mehr unserer Kolleginnen und Kollegen quasi kurz vor dem Zusammenbruch in der Weiterbildung auftauchen. Sie stellen daneben auch fest, wie schwierig es für diese offenbar ist, ihre Kirchgemeinde während der Weiterbildung loszulassen. In Neuenburg haben wir uns auch mit den Kollegen vom SPMN-Vorstand (Société des pasteurs et ministres neuchâtelois) getroffen. Nach einem kurzen Austausch luden sie uns in die Neuenburger Öffentliche und Unibibliothek (BPUN) ein, wo wir unter Leitung des verantwortlichen Bibliothekars einen Teil der Schätze der Pfarrerbibliothek entdecken konnten. Unter den Dokumenten befinden sich insbesondere eines der berühmten «Plakate» von 1534 (Affaire des Placards) und zahlreiche Briefe von Reformatoren. Wir verliessen den Ort hocherfreut und mit grosser Bewunderung für die akribische Arbeit der SPMN, mit der sie den Zugang und den Erhalt dieser reichen Bibliothek sicherstellt, seit die Theologische Fakultät aufgehoben wurde.

Auch wenn die Trennung von Kirche und Staat in Neuenburg längst Realität ist, haben es unsere Kolleginnen und Kollegen geschafft, mit dem Thema erfolgreich an den Staatsrat zu gelangen – bravo! Für die Kollegen aus anderen Regionen der Schweiz: Besuche sind mit Vorreservation möglich!

Nach dem Input der Delegiertenversammlung und aufgrund der Feststellung, dass bei Reorganisationen die Beziehungen zwischen der Verwaltung und den Pfarrpersonen an verschiedenen Orten angespannt sind, hat der Vorstand seine Überlegungen zur Frage nach dem Platz der Theologie und der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Kirchenleitung sowie jene nach der Zusammenarbeit mit den anderen kirchlichen Berufen und dem Bezug zur Ausbildung weitergeführt. Der Vorstand hat sich näher mit dem neuen kirchlichen Beruf des Kirchgemeindeschreibers und einem neuen, künftig in Zürich angebotenen Zertifikatslehrgang «Ausbildung für Kirchenverwaltung» befasst. Werner Näf konnte mehrere Partner für die Organisation einer Arbeits- und Reflexionstagung gewinnen. Getragen wird dieses Seminar vom SRPV, dem Zentrum für Kirchenentwicklung der Uni Zürich, der Arbeitsstelle A+W/opf, dem Verband Verwaltungpersonen VPK und der Zürcher Landeskirche. Eines der Ziele dieser Tagung ist, dass sich die beteiligten Gruppen gegenseitig anhören können und dass die Basis an der Lösungssuche beteiligt wird.

Das Seminar «Macht in der Kirchgemeinde» findet am 7. September 2018 in Zürich statt.

Für die Herbstsitzung 2017 fand sich der Vorstand nach mehreren Treffen mit reduzierter Besatzung in corpore zusammen. Unsere theologische Diskussion des Tages beruhte auf der Einführung von Kurt Veraguth (GE) zum Fall der Radikalisierung eines jungen Muslims aus einem Genfer Vorort. Wir haben den Eindruck, die Inklusionsthematik in einer multikulturellen Gesellschaft sowie die Gewaltprävention seien für unsere Kirchen und unser Land wesentlich. Wir werden in den kommenden Jahren bestimmt Herausforderungen dieser Art begegnen.

Verena Salvisberg hat weiterhin die Kontakte mit den Kollegen in Europa, vor allem in Deutschland gepflegt. Im September nahm sie am 125. Jubiläum des deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerverbandes in Münster (Westfalen) teil. Sie schätzte die Begegnungen in diesem Rahmen und nahm auch an einem touristischen Programm in der Form einer Krimi-Führung auf den Spuren Börnes, Thiels und Wilsbergs durch die Stadt Münster teil. Im Oktober nahm sie am Badischen Pfarrertag teil, der mit «Bis nächstes Jahr in Basel. Wir freuen uns!» schloss (siehe oben). Hansjakob Schibler und Kurt Veraguth haben einige Punkte im Zusammenhang mit unserem Archiv abgehakt. Einige Kisten sind noch durchzusehen, um zu entscheiden, was von Interesse für künftige Generationen ist.

Im Rahmen unserer Überlegungen zur Funktionsweise des Vorstands und zum SRPV-Budget haben wir für 2018 entschieden, uns von unserer Sekretärin Sara Ejiro zu trennen. Der Vorstand hat ihr denn auch per 1. Januar 2018 gekündigt. Seither wurden die Aufgaben von Sara Ejiro vorübergehend unter den Vorstandsmitgliedern intern aufgeteilt.

Die Januarsitzung fand in Bern statt. Wir waren am Hauptsitz des SEK eingeladen und haben mehrere Mitarbeiter getroffen, die uns die neue schweizweite Organisation der Diakonie sowie das Verfassungsrevisionsprojekt vorstellten. Werner Näf und Sibylle Peter stellen seit mehreren Jahren die Verbindung zum SEK sicher, indem sie als Gäste zweimal pro Jahr an den Delegiertenversammlungen teilnehmen. Wir sind auch über konkrete Projekte verbunden, darunter: » www.perikopen.ch

Die Sektion Luzern hat uns um eine Stellungnahme zur Änderung des Kirchengesetzes gebeten, die vorsieht, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer künftig nicht mehr von der Kirchgemeindeversammlung, sondern von der kantonalen Behörde angestellt werden. Der Vorstand hält fest, dass die presbyterial-synodale Organisation damit in Frage gestellt wird und einen Unabhängigkeitsverlust der Kirchgemeinden nach sich zieht. Luzern ist nicht als einziger Kanton davon betroffen.

Im Dienst der Kommunikation unter den Sektionen bot Inter Pares dank dessen Redaktor Jean-Eric Bertholet in den vier Nummern des vergangenen Jahres einige Einblicke in die sich verändernde Situation der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Schweiz. Corsin Baumann fasste als Präsident des Zürcher Pfarrvereins den Reformprozess «KirchGemeindePlus» in Zürich sowie die zehn Thesen des Zürcher Pfarrvereins zusammen: Welches ist die Idealgrösse einer Kirchgemeinde und wo beginnt die Unverhältnismässigkeit? «Eine der zentralen Herausforderungen ist, dass sich die reformierte Kirche nicht auf die Funktion eines professionellen Lieferanten sozialer und spiritueller Dienstleistungen beschränkt»; die intellektuelle Auseinandersetzung mit der biblischen Offenbarung bleibt eines der herausragenden Merkmale der reformierten Tradition. In «Geist und Verwaltung» fasste Werner Näf die Herausforderungen einer administrativen Kirchenleitung angesichts der spirituellen Dimension dieser Gemeinschaft zusammen – Fragen, die in der Öffentlichkeit nicht genügend diskutiert werden – und Jean-Eric Bertholet verwies auf die Überlegungen, die man sich in Bern zum Platz der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Landeskirche macht, wenn diese vom Kanton die Rolle als Arbeitgeber der Pfarrpersonen übernimmt. Inwieweit ist die Kirche bereit, auf ihre Pfarrerinnen und Pfarrer zu hören? (Inter Pares 1/2017). Inter Pares 2/2017 bot einen Rückblick auf die Jahresversammlung mit dem Jahresbericht 2016 und einigen Kurznachrichten aus den kantonalen Sektionen. Die Ausgabe 3/2017 war den Kirchen in Uri, Unterwalden, Schwyz, Luzern und Wallis gewidmet (danke den Autoren!). Die Ausgabe 4/2017 stellte drei gelungene Projekte zum interreligiösen Dialog vor, zu denen die Landeskirchen einen wesentlichen Beitrag geleistet hatten: Haus der Religionen in Bern, Maison du Dialogue L’Arzilier in Lausanne und Runder Tisch der Religionen beider Basel. Alle diese Beiträge sowie die zehn Thesen des Zürcher Pfarrvereins sowie der ungekürzte Beitrag von Werner Näf zu «Geist und Verwaltung» sind unter
» www.pfarrverein.ch/se/bef/interpares nachzulesen.

Arnold Wildi übt das ganze Jahr über die Funktion des Kassiers aus und hält unsere Adressdatenbank à jour – wertvolle Arbeit im Hintergrund. Seit der «Pfarrkalender» nicht mehr in gedruckter Form erscheint, werden wir oft um unsere Adressliste gebeten; die Frage nach einer Computerdatei stellt sich dem Vorstand weiterhin. Wir bleiben auch in Zusammenarbeit mit dem SEK dran.

Arnold hat auch sorgfältig nach einer Lösung zur Verbesserung des Dienstausweises gesucht, um zu einem Ausweis in guter Qualität und in Kreditkartenformat zu kommen. Es geht hier um den konkreten Aspekt einer grundsätzlichen Frage, die uns ebenfalls beschäftigt, jene nach dem Schutz unseres Berufs.

Im Zentrum der Anliegen des Vorstands sind die Verbindungen zu den Sektionen und ihrem Alltag. In der französischen Schweiz bietet der welsche Pfarrverein ein alljährliches Treffen, an dem ich als SRPV-Präsidentin beteiligt bin. Diese informelle Plattform erweist sich als ein wertvoller Ort des Austauschs, der Abstandnahme und der gegenseitigen Unterstützung unter Pfarrpersonen. Auf Deutschschweizer Seite besteht kein vergleichbares Gefäss. Der Vorstand beglückwünscht unsere Zürcher Kolleginnen und Kollegen: Wir freuen uns mit ihnen über ihr 250-Jahre-Jubiläum!
Vor einem Jahr hat Werner Näf seinen Rücktritt aus dem Vorstand an der Delegiertenversammlung 2019 angekündigt. Der Vorstand sucht nach neuen Kräften, wenn möglich nach einem jungen Kollegen / einer jungen Kollegin, der/die das Kommunizieren in den Netzwerken beherrschen und Interesse an Fragen zur Digitalisierung im Allgemeinen mitbringen. Wir würden unsere Website ausserdem gerne mit Beiträgen bereichern und ihre Rolle als «Vitrine» fördern, in der sich Aktivitäten präsentieren lassen, die über die Grenzen hinaus von Interesse sind. Konkret sucht der Vorstand also nach zwei neuen Mitgliedern, dabei sollen nach Möglichkeit die verschiedenen Regionen der Schweiz vertreten sein. Die neuen Mitglieder werden an der DV 2019 gewählt, sind aber sobald als möglich willkommen!

«Wache, bete, leidenschaftlich, kämpfe stets mit Feuereifer für deine heilge Pflicht. Fürchte nichts, Jesus rüstet dich mit seiner Gnade, wenn das Böse droht.»

Nach Henri Künzler 2001 in «Alléluia», Kirchenlied Nr. 46/04 S. 717
Autor: Mark Haltmeier     Bereitgestellt: 15.06.2018    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch