BS-BL: Runder Tisch der Religionen

IP-4-2017-lilo-roost-vischer<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>2551</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Seit 2007 treffen sich in den beiden Basel fünf Mal pro Jahr Vertreter/innen von Kirchen, Religionsgemeinschaften, muslimischen und evangelischen Dachverbänden sowie den beiden kantonalen Integrationsstellen zu einem Runden Tisch. Er hat sich als ein Instrument des Austauschs zwischen den verschiedenen Akteuren etabliert.
Lilo Roost Vischer
Als 2005 der Terror im Namen des Islams durch die Anschläge in London und Madrid näher rückte, beschloss die Basler Integrationsfachstelle «Integration Basel», regelmässige Kontakte zu den Moscheevereinen zu pflegen und gleichzeitig den zivilgesellschaftlichen interreligiösen Dialog zu begleiten. Im April 2007 empfingen die zuständigen Regierungsräte und Integrationsverantwortlichen im Basler Rathaus Vertreter aller Moscheevereine der beiden Basel. Ebenfalls anwesend waren Vertretungen der beiden alevitischen Vereine und engagierte Einzelpersonen. Dies war der Auftakt der Gründung des Runden Tischs. Daran beteiligt sind dreizehn Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie die beiden Dachverbände Basler Muslim Kommission und Evangelische Allianz. Die inhaltliche und organisatorische Verantwortung liegt bei der Basler Koordinationsstelle für Religionsfragen, die dem Präsidialdepartement angegliedert ist.

Problem- und lösungsorientiert
Bereits im Mai 2007 fand die konstituierende Sitzung statt. Das Ziel, problem- und lösungsorientiert den Austausch und die Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden zu verbessern, wurde im Folgejahr zu Leitprinzipien ausformuliert, die regelmässig diskutiert und bei Bedarf ergänzt werden. Für viel Gesprächsstoff am ersten Runden Tisch sorgte das Papier zum «Umgang mit religiösen Fragen an der Schule» des Erziehungsdepartements BS, das in Zusammenarbeit mit der Koordination für Religionsfragen entstand. Klärungsbedarf bestand vor allem in der Frage der Dispensationen. Die Handreichung wurde in den Grundzügen von mehreren Kantonen übernommen und schon zweimal überarbeitet. Am Runden Tisch debattierten die Mitglieder auch intensiv über die verschiedenen Formen von Religionsunterricht an den Schulen. Der freiwillige Religionsunterricht der beiden grossen Kirchen, der allen Schulkindern offen steht, wurde vorgestellt. Aber auch der Religionsunterricht, den die anderen Gemeinschaften in ihren eigenen Räumlichkeiten durchführen. Die Ergebnisse sind in einer Broschüre zusammengestellt. Der Runde Tisch ist sich einig, dass im Rahmen des obligatorischen Schulunterrichts differenzierte religionskundliche Information Platz haben sollte, wie es im Lehrplan 21 vorgesehen ist. Allerdings bedarf die Umsetzung noch einiger Diskussionen.

Eigenverantwortung
Belastungsproben für den Runden Tisch waren immer wieder Konflikte, die einen Bezug zu einzelnen Mitgliedern hatten. Zum Beispiel der Gazakrieg Anfang 2009. In den letzten Jahren waren dies vor allem islamisch begründete Terrorakte, die zu einem wachsenden Misstrauen auch gegenüber hiesigen Musliminnen und Muslimen führen. Die Koordination für Religionsfragen organisierte mit der Basler Muslim Kommission einen Workshop zum Thema Radikalisierungsgefahr. Gleichzeitig diskutierten wir über Diskriminierungsschutz und die Sorgen der Anwesenden. Parallel dazu verpflichteten sich die Mitglieder am Runden Tisch zu mehr Eigenverantwortung und Selbstkontrolle als Hausherren in ihren Gotteshäusern. Belastend ist auch die politische Entwicklung in der Türkei. Dank verschiedener Aussprachen, zum Teil in Anwesenheit der Polizei, konnte eine Eskalation verhindert werden.

Wichtige Ergänzung
Die Aufgaben des Runden Tischs und der Koordination für Religionsfragen ergänzen sich. Die fachliche Arbeit im Hintergrund ist nötig, um Konfliktpotentiale zu erkennen und direkt anzugehen. Der Staat hat andere Aufgaben und Möglichkeiten als zivilgesellschaftliche interreligiöse Vereinigungen und einzelne Aktivisten. Die Koordination für Religionsfragen hat die Religionslandschaft zu verstehen und laufend Fakten und Positionen zu klären. Die religiöse Vielfalt ist in einem Stadtkanton sehr ausgeprägt. 70,6% der Basler Bevölkerung sind nicht in einer der vier öffentlichrechtlich anerkannten Kirchen und der Israelitischen Gemeinde Basel organisiert. Sie sind grösstenteils nicht institutionell organisiert oder Mitglieder in privatrechtlichen religiösen Vereinen. Nicht nur verschiedene Religionszugehörigkeiten gilt es zu berücksichtigen, sondern auch unterschiedliche Lebensstile. Die Frage nach der Repräsentativität der Ansprechpersonen stellt sich immer wieder. Die beiden Integrationsdelegierten sind Ansprechpersonen für alle Akteure, mit denen sie bei Bedarf offene und kritische Gespräche führen. Dies ermöglicht es, am Runden Tisch eine aktive Begegnungs- und Diskussionskultur zu erhalten, die auch die grosse Zahl der Nichtorganisierten mitdenkt.

Informationen zum Runden Tisch der Religionen beider Basel siehe » www.entwicklung.bs.ch/integration/religion-gesellschaft/runder-tisch-religionen-basel.html
Autor: Mark Haltmeier     Bereitgestellt: 24.11.2017    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch