Reformiert im Wallis

IP-3-2017-Susanna-Kammacher<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>2524</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Die reformierte Kirche im Wallis ist seit etwa 150 Jahren bunt gemischt, bescheiden und klein - aber fein!
Susanna I. Kammacher
Die Kirchengeschichte des Wallis zeigt, dass es nur wegen politischer Querelen nicht zur Reformation kam. Ansätze waren da, vermochten sich aber nicht durchzusetzen. So ist der Bergkanton bis heute traditionell gut katholisch.
Erst mit der Industrialisierung kamen vermehrt Andersgläubige ins Tal. Auf den Grossbaustellen des Simplon- und Lötschbergtunnels arbeiteten Ingenieure aus reformierten Kantonen. Ebenso halfen Reformierte, die grossen industriellen Unternehmen aufzubauen.
Sie brachten Frau und Kinder mit und diese mussten unterrichtet werden. Da aber die Schulen kirchlich dominiert waren, hatten die «Heidenkinder» wenig Chance. Die Eltern wollten aber auch nicht, dass Ordensleute unterrichteten. So entstanden nach und nach reformierte Schulen und erste kleine Kirchgemeinden. Vor allem in Genf und in Bern nahm man sich der «Glaubensbrüder in der Diaspora» an, unterstütze sie finanziell und Pfarrer wurden ins Wallis geschickt.
Aus diesen lokalen Gemeinden formierte sich nicht ohne Schwierigkeiten eine reformierte Kirche im Wallis, die schliesslich als kantonale Landeskirche offiziell anerkannt wurde.

Grosse Vielfalt
Heute besteht die EREV / ERKW, die Eglise Réformée Evangélique du Valais / Evangelisch-reformierte Kirche des Wallis aus 10 Kirchgemeinden, die das weite Gebiet vom Genfersee, mit allen Seitentälern bis zu Grimsel und Furka abdecken. Mit insgesamt 11 Pfarr- und drei Diakonatsstellen zu unterschiedlichen Stellenprozenten sind Brig, Visp und die kleine Ortsgemeinde im Leukerbad deutsch-, Montana, Sion, Coude du Rhône, Deux-Rives, Monthey und Haut-Lac französisch- und Sierre zweisprachig.
An den Treffen der Pastorale findet sich eine bunte Schar mit ganz unterschiedlicher nationaler und kirchlicher Herkunft zusammen: Nicht nur die EU auch Schwarzafrika sind neben der Deutschschweiz und der Romandie vertreten. Das macht die Zusammenarbeit nicht einfach, doch gelingt es immer sich zu finden.

Ökumene
Eigentlich wäre die reformierte Kirche von der Anerkennung her auf gleicher Augenhöhe wie die katholische. Doch das steht nur auf dem Papier. In der Praxis ist das Wallis nach wie vor katholisch und wird auch so wahrgenommen. «Wer Kirche sagt, meint den Bischof» und das ist für die Reformierten mitunter schwierig. Das ökumenische Zusammengehen kann mühselige Sisyphusarbeit sein und hängt vom Wohlwollen des jeweiligen katholischen Ortsgeistlichen ab. Von grosser Weitherzigkeit bis zu schroffer Ablehnung geht da die Palette. Auch auf kantonaler Ebene ist die Zusammenarbeit für gemeinsame Aufgaben oft harzig. Dazu kommt wie in der Politik die sprachliche und kulturelle Verschiedenheit.

Chronisches Defizit
Das Wallis kennt keine Kirchensteuern wie in anderen Kantonalkirchen. Wohl sind die politischen Gemeinden auf gesetzlicher Grundlage verpflichtet, Beiträge zu zahlen. Doch die werden aufgrund der gemeldeten Reformierten errechnet. Vor allem Neuzuzüger geben sich als konfessionslos aus, in der Meinung Kirchensteuern zu sparen, haben aber dennoch Ansprüche an die Kirche. Dabei entgeht den Kirchgemeinden eine wichtige finanzielle Unterstützung. Es ist dies eine konstante Baustelle, nicht nur, um zu den zustehenden Finanzen, sondern auch zu den Namen der Reformierten zu kommen.
So sind die Kollekten und Spenden die wichtigste Einnahmequelle für alle Belange einer Kirchgemeinde.
Die Rechnung der Kantonalkirche leidet unter einem strukturellen Defizit und die schweizerischen Abgaben lasten schwer. Die kleine Walliser Kirche muss mit ein paar hunderttausend Franken alles und jedes, was eine Kirche ausmacht berappen. Die reformierten Schulen sind heute alle in das staatliche System integriert, so dass diese Kosten wegfallen. Budget und Rechnung sind aber an jeder Synode ein Diskussionsthema.

Tourismus
Das Wallis lebt vom Tourismus. So ist auch die reformierte Kirche bemüht, ein ansprechendes Angebot zu sichern. Während der Saison gibt es reformierte Gottesdienste in zum Teil eigenen reformierten oder katholischen Kapellen. Mitunter sind die Ansinnen der Touristen aber mehr als kraus, besonders bei Hochzeiten. Da braucht es Diplomatie und es müssen schon mal theologische Eingeständnisse gemacht werden.
An Ferienorten helfen Pensionierte und Auswärtige tatkräftig mit. Im Oberwallis wurde dazu das Tourismuspfarramt geschaffen, das von Kirchgemeinden aus dem Kanton Bern mitfinanziert wird. In Zermatt und Verbier stehen zudem eigene Ferienwohnungen zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Dieser Austausch mit KollegInnen ist hilfreich und wird sehr geschätzt.
Im Alltag ist die Walliser Kirche eine Bekenntniskirche, tragendes Element sind die Freiwilligen, sie wollen dazu gehören und setzen sich entsprechend ein. So ist die pfarramtliche Tätigkeit im Wallis nicht immer einfach, aber in jeder Hinsicht bereichernd und spannend!
Autor: Mark Haltmeier     Bereitgestellt: 08.09.2017    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch