PfUrCH – die Zentralschweizer Kantonalkirchen stellen sich vor

IP-3-2017-Rahima-Heuberger<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>2523</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Die etwas speziell klingende Abkürzung PfUrCH steht für Pfarrkapitel der Ur-Schweiz und umfasst die Kantonalkirchen der Urschweizer Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden (Ob- & Nidwalden). Diese Kantonalkirchen sind alle – im Vergleich mit den reformierten Stammlanden – verhältnismässig noch sehr jung.
Rahima U. Heuberger
Zuvor gehörten sie – zusammen mit dem Tessin, Luzern und Zug – gemeinsam dem Ev.-ref. Kirchenverband der Zentralschweiz EKZ (vormals Diasporaverband) an, der ihre Rechte bis zu seiner Auflösung 2002 beim SEK vertrat. Das war damals ein grosser Schritt. Arbeiteten die Zentralschweizer Kirchen früher durch diesen Verbund – welcher 1920 sogar Gründungsmitglied des SEKs war – jahrzehntelang eng zusammen, begann mit der Schaffung der einzelnen Kantonalkirchen eine neue Ära. Als erste Kantonalkirche trat das Tessin 1977 aus dem Verbund aus. 1988 folgten die Luzerner und schliesslich Mitte der 90er-Jahre der Kanton Zug.
Seit Mitte der 80er-Jahre besitzen die Kantonalkirche Uri, Ob- und Nidwalden eigene Organisationsstatute. Aufgrund einer Änderung der Staatsverfassung des Kantons Schwyz mussten sich die Schwyzer Kirchen neu organisieren und so entstand 1998 die Reformierte Kantonalkirche Schwyz. Damit war die Auflösung des EKZs die logische Folge.

Die jungen Kantonalkirchen entwickeln sich
Seither entwickeln die Zentralschweizer Kantonalkirchen ihre jeweils eigenen Identitäten. Bei Uri und Nidwalden umfasst die Kirchgemeinde jeweils das ganze Kantonsgebiet. Zu Uri gehören die Pfarrämter Altdorf und Erstfeld mit je einer eigenen Kirche. Ebenfalls ist in Andermatt eine reformierte Kirche zu finden, welche zum Pfarramt Erstfeld gehört. Nidwalden umfasst die 4 Pfarrämter Hergiswil, Buochs, Stans und Standsstad, ebenfalls mit je einem Gotteshaus. Obwalden ist aufgeteilt auf die beiden Kirchgemeinden Alter Kantonsteil und Engelberg. Während der Alte Kantonsteil über 3 Kirchen verfügt, jeweils in Alpnach, Sarnen und Giswil, steht in Engelberg nur 1 reformierte Kirche. Uri, Ob- & Nidwalden zählen zusammen rund 9000 Reformierte und 675 Stellenprozente.
Im Vergleich zu seinen Nachbarkantonen wirkt der Kanton Schwyz – zumindest aus reformierter Sicht – wie ein grosser Bruder. Die 6 Kirchgemeinden zählen mit ca. 18’000 Gemeindegliedern praktisch doppelt so viele Reformierte. Die 900 Stellenprozente, welche mit 11 aktiven Pfarrpersonen besetzt sind, dominieren denn auch ein wenig das Pfarrkapitel des PfUrCHs, welches daher alle zwei Jahre im Kanton Schwyz stattfindet. Dazwischen tagt es alternierend in einer der anderen Mitgliedskirchen.
Das PfUrCH ist der Nachfolgeverband des EKZ und immer noch der wichtige identitätsstiftende Zusammenschluss und Treffpunkt der Pfarrpersonen der Urschweiz. Einmal im Jahr trifft man sich, tauscht Informationen aus und bespricht Anliegen und religiöse Fragen.

Die Ökumene in der Diaspora
Anders als vielleicht in den reformierten Stammlanden geniessen die Kirchen in der Diaspora dank den katholischen Schwesterkirchen einen immer noch hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Auch die reformierten Kirchenvertreter werden zu Einweihungen und Gemeindeanlässen eingeladen. Dieser Punkt kann nicht genug geschätzt werden. Das sind stets weitere Chancen als Kirche mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten und einen niederschwelligen Zugang zur Kirche und zum Glauben anzubieten. Die gute Zusammenarbeit mit den Katholiken ist unumgänglich. In der Bevölkerung ist eine grosse Wertschätzung gegenüber den Kirchen spürbar. Dass die Kirche Teil des Lebens und in der Gemeinde präsent ist, ist an vielen Orten selbstverständlich und sehr wertvoll. Als Reformierte ist es dabei wichtig, auch selber eine Offenheit zu zeigen. Zwinglianischer Purismus bei der Einweihung eines Gebäudes und der Segnung von Menschen, welche an solchen Anlässen teilnehmen, wäre fehl am Platz und würde nicht verstanden. Für Reformierte ist dies auch eine unschätzbare Gelegenheit, Einblick in Rituale zu haben, denen man in traditionell reformierten Gebieten kaum begegnet. Konfessionell gemischte Familien sind eine Selbstverständlichkeit und häufig werden regelmässig sowohl reformierte wie auch katholische Gottesdienste besucht.
Die ökumenische Nähe zur Katholischen Schwesterkirche zeigt sich auch darin, dass 2017, wenn 500 Jahre Reformation gefeiert wird, in einigen Kirchgemeinden des PfUrCHs gleichzeitig auch das Jubiläum 600 Jahre Niklaus von Flüe begangen wird.

Überregionales Denken und Arbeiten
Grundsätzlich wird in den Kirchgemeinden des PfUrCHs viel überregionaler gedacht und gearbeitet als in reformiert geprägten Kantonen, in welchen die Kirchgemeinde mit der Ortsgemeinde überreinstimmt. In der Regel sind die Kirchgemeinden im PfUrCH im Minimum Bezirkskirchgemeinden, wenn nicht gleich Kantonskirchgemeinden. Für die Arbeit im Pfarramt bedeutet dies, dass eine Pfarrperson einerseits seelsorgerliche Aufgaben in den Gemeinden vor Ort hat, gleichzeitig aber auch schwerpunktmässig für einen ganzen Bezirk oder einen Kanton(-steil) verantwortlich ist. Dadurch verschwindet das „Gärtchendenken“. Man nimmt automatisch viel bewusster wahr, was in der Region vor sich geht und kann die Ressourcen gezielter verteilen und einsetzen.
Die Kantonalkirchen des PfUrCHs mögen zwar viel jünger und unerfahrener sein als die Grossen in den traditionell reformierten Gebieten. Was jedoch das überregionale Organisieren, Denken und Handeln anbelangt, sind sie vielleicht jedoch den Stammlanden einen kleinen Schritt voraus.
Autor: Mark Haltmeier     Bereitgestellt: 08.09.2017     Besuche: 11 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch