Echos aus der Delegiertenversammlung

IP-2-2017-Jean-Eric-Bertholet<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrverein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>77</div><div class='bid' style='display:none;'>2497</div><div class='usr' style='display:none;'>380</div>

Am 24. April begegnete sich die kleine bunte Schar der Delegierten in Olten, tauschte einiges an Neuigkeiten aus und besprach engagiert die Anliegen der «Studie».
Jean-Eric Bertholet
Nachträgliches Interesse an der Studie
Zwischen Anstellungsfragen, Theologie und Verwaltung, Personalentwicklung und Human Ressource entstehen viele praktische (und theologische!) Fragen, die Werner Näf so sehr am Herzen lagen, dass er daraus das Projekt einer Studie entwickelte, das schon 2016 in Lausanne besprochen wurde. Mangels finanzieller Ressourcen wurde aus diesem Projekt nur noch ein Bericht, der in der letzten Nummer von Inter Pares (1/2017), sowie auf unserer Homepage publiziert wurde. Erfreulicher weise fand diese Kurzfassung bei der Delegiertenversammlung vom 24. April in Olten breiten Anklang.
Die Fragen nach der Autorität in der Kirche, nach den Arbeitsbedingungen und nach der Theologie sollten unbedingt weiterbesprochen werden. Erst ein Jahr nach der Projektlancierung kamen diese Themen an. Die Diskussion soll in den einzelnen Sektionen neu aufgenommen werden (so ein Echo aus NE). Es würde sich lohnen die verschiedenen Sektionen darauf aufmerksam zu machen. Die Fragen des Good Governance stellen sich nicht nur in der Entwicklungshilfe und treffen verschiedene kirchliche Instanzen bei der Entscheidungsfindung.
So wie der Regen vom Westen her kommt und erst später die Ostschweiz erreicht, so haben sich auch diese Fragen viel früher in Genf, in Neuenburg und in der Waadt gestellt und erreichen nun Bern und Zürich (Reformprozess und KirchGemeindePlus). Natürlich sind die Fragen der Grösse entscheidend, wenn gewisse Kirchgemeinden (so in Zürich) so gross sein können wie ganze Kantonalkirchen in katholischen Gebieten. Auf welcher Ebene auch immer und trotz der von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlichen Systeme stellen sich zeitverschoben ähnliche Fragen.
Obwohl einige Delegierte letztes Jahr vor einer grossen Studie (und ihren Kosten) zurückhaltend bis skeptisch waren, fanden sie jetzt doch, dass der Artikel von Werner Näf die Fragen auf den Punkt brachte.
Der Ball liegt nun bei den verschiedenen Sektionen. Der Wunsch nach einer Tagung zu diesen Fragen wurde mehrmals geäussert, sei es nach einer schweizerischen Tagung, einer rein welschen Tagung (journée romande?) oder, einfacher, nach einer Fachtagung. Ziel sei es, laut einer Delegierten, dass man nicht einfach im eigenen System weiter vor sich hindümple. Wie kann man die verschiedenen Interessenten (z.B. auch den Verband der Kirchenverwalter oder die Kirchenleitungen) miteinbeziehen? Ein Überblick über die verschiedenen kantonalen Überlegungen wäre hilfreich, den man jedoch so pragmatisch wie möglich angehen sollte. Geist und Verwaltung sei auch ein wichtiges Thema im Reformprozess des Kirchenbunds gewesen.

Neuigkeiten und Aktuelles
Neu kann man auf unserer Homepage die bisherigen Perikopen des ehemaligen Pfarrkalenders finden. Diskutiert wurde auch die Publikation weiterer Perikopenordnungen (so aus Deutschland), die mehr Material zur Gottesdienst- und Predigtvorbereitung anbieten. Matthias Hügli, der an diesem Tag den Kirchenbund vertrat, wünschte sich die Mitwirkung einiger Pfarrpersonen bei den Überlegungen, ob eine neue schweizerische Perikopenordnung wünschenswert wäre. Er machte auf das Reformationsjubiläum vom 18. Juni in Bern aufmerksam, so wie auf das grosse Jugendfestival vom 5. bis 7. November in Genf.
Das Waadtland machte uns Mut, gemeinsam unsere Zukunft zu erforschen und drückte die Sorge aus, wie defizitär manchmal unsere Kirchgemeinderäte seien. Die Standesregel standen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wie auch Überlegungen, wie neben Pfarrpersonen und Diakonen weitere Kirchenangestellte als «chargés de ministère» (Dienstbeauftragte) in den Kirchendienst aufgenommen werden könnten (s. auch Genf und Neuenburg!).
In Genf stellt eine neue Fassung des Vater Unsers («ne nous laisse pas entrer en tentation» anstatt «ne nous soumets pas à la tentation ») die Kirche vor die Frage, ob sie mit den Genfer Katholiken oder mit dem übrigen Welschland die neue Übersetzung übernehmen will oder nicht.
Aus dem Wallis war die Sorge zu hören, was der Verlust zweier «Säulen» der Kirche für sie bedeutet, und ebenfalls die Nichtbesetzung von drei von insgesamt 13 Stellen. Freude aber, dass es in diesem katholischen Kanton auch offiziell eine 50% reformierte Spitalseelsorgestelle gibt.
Aus dem Aargau hörten wir von den letzten Entwicklungen beim Dauerbrenner der Partnerschaftlichen Gemeindeleitung. Bei der Motion «Anstellungs- und Entlassungsverfahren von ordinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern» von 2014 habe der Vorstand des Pfarrkapitels während der ganzen Zeit dem Kirchenrat gegenüber wiederholt signalisiert, dass er sich in der Verantwortung zur konstruktiven Mitarbeit sähe. Er wurde leider immer auf später vertröstet und musste schliesslich feststellen, dass keine offizielle Mitwirkung der direkt von der Motion betroffenen Berufsgruppe vorgesehen war. Ob der gigantische Berg dieses Riesenwirbels schliesslich nur eine Zwergmaus gebiert, wird sich nach der Vernehmlassung zeigen.
In Luzern sei der Synodalrat wieder vollständig. Die meisten Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum wurden etwas enttäuschend praktisch nur von den Stadtgemeinden getragen.
Als Ersatz zum Pfarrkalender hat der Pfarrverein im Thurgau ein sympathisches Pfarrverzeichnis mit Fotos und allen Adressen der Pfarrerpersonen erstellt. Vielleicht eine nachahmenswerte Initiative.
Die 600 Jahre Bruder Klaus wurden zusammen mit dem Reformationsjubiläum gekoppelt in Obwalden - Nidwalden - Schwyz der Anlass vieler schöner ökumenischer Veranstaltungen.
In Zug seien zu frei gewählten Themen halbjährlich Gesprächsrunden unter KollegInnen organisiert worden, was sich auf das Arbeitsklima und das Vertrauen unter KollegInnen sehr positiv ausgewirkt hat. Ebenfalls wurde eine neue Dienstordnung für Pfarrpersonen verabschiedet.
Im Kanton Solothurn wurden drei Schwerpunkte zum Reformationsjubiläum definiert, die in je einer der drei verschiedenen Regionen gefeiert werden. Im Sommer wird in Gäu / Egerkingen ein Kirchentag stattfinden und der feierliche Gottesdienst zum Abschluss des Reformationsjahres wird in Solothurn stattfinden.
Zürich feiert das 250. Jubiläum des Zürcher Pfarrvereins – das ist der älteste Verein in Zürich. Die Frage, wer die Kirchenleitung ist, stellt sich besonders scharf: Behörde? Pfarrschaft? Pfarrkonvent? Administrative Leitung? Dabei geht es vielmehr um den Stellenwert der Theologie als um die «Privilegien» der Pfarrer (s. auch die 10 Thesen des Zürcher Pfarrvereins)! Wobei die Spannungen innerhalb der Theologie u.a. zwischen konservativ, evangelikal, dialektisch, liberal auch beachtet werden müssen. Das sollte eine administrative Kirchenleitung im Auge behalten und allzu einseitige Stellungnahmen meiden. Die Zusammenlegung von Kirchgemeinden aus Spargründen, wie auch die Auseinandersetzung mit «fresh expressions» und Milieu-bezogenen Gemeinden stellen die Frage neu, was eine Ortsgemeinde sein soll, sein kann.
Und die Vereinigung evangelische Spitalseelsorge berichtete über erfreuliche Entwicklungen im Bereich Palliative Care (s. ihre Homepage www.spitalseelsorge.ch) auch auf nationaler Ebene. Die Sache sei in punkto Spiritual Care weniger erfreulich, die Konkurrenz grösser und die Lage unübersichtlicher.
Die Finanzen sind erfreulich. Dennoch wird regelmässig am vorhandenen Kapital genagt, so dass man sich in zwei oder drei Jahren wird überlegen müssen, ob die Leistungen gekürzt oder die jährlichen Beiträge (leicht) erhöht werden müssen.
Infolge eines neuen Engagements wird Werner Näf voraussichtlich in zwei Jahren vom Vorstand zurücktreten, so dass sich wieder die Frage nach neuen Vorstandsmitgliedern stellt. Ebenfalls wünscht sich der Vorstand, dass die verschiedenen Regionen oder Sektionen besser vertreten sind. Dies würde den Informationsaustausch fördern!
Autor: Mark Haltmeier     Bereitgestellt: 16.06.2017    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch