Gewerkschaft und Theologie - Echos aus Bern

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Welchen Platz soll die Pfarrschaft im Organigramm der Landeskirche haben? Im Transformationsprozess der Berner Kantonalkirche tauchen verschiedene Modelle auf. Die Diskussion ist noch offen.
Jean-Eric Bertholet
Die Berner hat es kalt erwischt, als am 16. September 2015 der Grosse Rat beschloss, die Verhältnisse von Kirche und Staat «weiterzuentwickeln» im Rahmen einer Totalrevision des Kirchengesetzes von 1945. Zeitenweise sprach man sogar von einer Trennung von Kirche und Staat. Inzwischen betont man aber die Idee einer «Weiterentwicklung dieser Verhältnisse». Und dies entspricht tatsächlich dem Entwurf des neuen Kirchengesetzes, das im Frühling vom Grossen Rat in erster Lesung besprochen wird und voraussichtlich noch vor Ende der Legislatur 2018 beschlossen werden soll. Hauptmerkmal dieses neuen Gesetzes ist, dass die PfarrerInnen, die bis jetzt vom Staat angestellt sind, ab dem 1. Januar 2020 bei der Kantonalkirche angestellt werden sollen. Laut Synodalratspräsident Andreas Zeller soll sich für die PfarrerInnen am 1. Januar 2020 nur der Absender auf dem Lohnblatt ändern. Jedoch muss noch eine Unmenge an (kirchlichen) Verordnungen und Reglementen angepasst werden, was u.a. für den Synodalrat und den Pfarrverein einiges an Arbeit geben wird.

Haben wir es verschlafen?
Eigentlich gab es in den letzten Jahrzehnten schon mehrere Stellenkürzungen seitens des Staates, so 1996 und 2004 und zuletzt im September 2014, als die Kirche im Rahmen der kantonalen Sparbemühungen 2 Millionen Franken sparen musste, was nur mit Stellenkürzungen aufzufangen war. Damit meinten die Berner aber das Ärgste aufgefangen zu haben und wähnten sich noch auf der Insel der Seligen mitten in den grossen Veränderungen, die die Schweizer Kirchen zeitverschoben und an jedem Ort anders getroffen haben.

Der neue Arbeitgeber
Was bedeutet das aber, wenn die kantonale Kirche zur Arbeitsgeberin der PfarrerInnen wird, und wer wird das wirklich sein? Der Synodalrat? irgendein Personalamt? Die Personalentwicklung? Die Synode?
Zunächst einmal gab es legitime gewerkschaftliche Anliegen der Pfarrschaft, arbeitsrechtlich, oder z.B. auch was die Weiterbildung betrifft. Manche PfarrerInnen hätten sich einen Gesamtarbeitsvertrag gewünscht. Schliesslich einigte man sich unter Vermittlung vom Geschäftsführer des bernischen Staatspersonalverbands darauf, dass die Kirche im Wesentlichen das kantonale Personalrecht übernehmen wird. Und beide Seiten bekundeten schliesslich im Oktober ihren «Willen zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit».
Wie partnerschaftlich wird aber die zukünftige Kirche? Wie wird man aufeinander hören? Wie wird man auf die Theologie hören? Welche Strukturen sollen dafür geschaffen werden?

Vergesst die Theologie nicht!
Gibt es ein Wächteramt der Theologie der Kirche (und dem Staat) gegenüber? Wie war das in Zürich nach der Reformation? Wie wird das in Graubünden realisiert, wo sich alle (!) PfarrerInnen jährlich fünf Tage lang in der (Pfarrer)Synode versammeln?
Es ist höchst merkwürdig, dass die Bernische Kirchenverfassung und die Bernische Kirchenordnung zwar das Pfarramt erwähnen, aber nicht die Pfarrschaft als kollektives Ministerium.
Darum hat der Berner Pfarrverein verschiedene Modelle skizziert, die in den kommenden Monaten besprochen werden sollen. Eins geht von den schon existierenden Pfarrkonferenzen aus, die zukünftig als Expert(innen)konferenzen sattfinden sollten und die vom Synodalrat und Pfarrverein partnerschaftlich vorbereitet werden sollten. Aber es gibt auch, ähnlich wie in Graubünden, die Idee von Bezirkspfarrsynoden, die mit Delegationen auf Synodalverbands-Ebene in eine Pfarrsynode münden sollen. Zuletzt gibt es noch eine Mischform, mit Pfarrkapiteln und Pfarrkonferenzen, die Subsidiarität und legitimierte Vertretung vereinen soll.

Welche Ekklesiologie vertreten wir?
Letztlich geht es doch um eine ekklesiologische Frage. Vor einem Jahr hatte der Berner Synodalrat «ekklesiologische Überlegungen» von Matthias Zeindler und Stefan Hagenow unter dem Titel «Berner Kirche in der Transformation» verabschiedet. Nun findet Christian Adrian, dieses Dokument lehne sich in seiner Betonung der in Christus begründeten Einheit allzu sehr an die Ekklesiologie des Epheserbriefs (auch sehr hierarchisch) an und viel zu wenig an den Korintherbrief mit seiner Befürwortung einer theologisch begründeten Vielfalt. Einheit und Verschiedenheit, Stärkung der demokratischen Kultur, Gleichgewicht zwischen verschiedenen Orten und Instanzen, das muss jetzt offen besprochen werden. Genau das hat sich der Berner Pfarrverein für den 6. März vorgenommen.
Autor: Mark Haltmeier     Bereitgestellt: 09.03.2017    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch