Publiziert von: Mark Haltmeier
Bereitgestellt: 04.12.2024
Zukunft von Pfarrbildern und das Zwischendrinsein
Kirchliche Transformationsprozesse, aktuelle Herausforderungen und sich wandelnde Pfarrbilder. Einige Gedanken dazu.
Melanie Muhmenthaler
Vor gut einem halben Jahr habe ich nach 10 Jahren im Gemeindepfarramt die Stelle als Leiterin der Weiterbildung der Pfarrpersonen bei der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn angetreten.
Was brauchen Pfarrerinnen und Pfarrer heute an Weiterbildung? Was unterstützt sie im Berufsalltag, der neben den klassischen pfarramtlichen Tätigkeiten Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels, Veränderungen im Berufs- und Kirchenbild, sowie personeller und finanzieller Ressourcenknappheit birgt?
Es sind Fragen, die mich schon im Gemeindepfarramt beschäftigt haben und mich nun auch in der neuen Aufgabe umtreiben.
Komplexe Situationen
Oft scheinen es mir weniger die fachlichen Kompetenzen, die Not tun, denn diese wurden in Studium und kirchlicher Ausbildung mit (E)Ps und Lernvikariat erlernt und mit der Weiterbildung in den ersten Amtsjahren vertieft. Was beschäftigt sind die komplexen Fragen rund um die berufliche Rolle und die Entwicklung der Kirchgemeinde in Zusammenarbeit im Team mit weiteren kirchlichen Angestellten und Behörden. Es sind auch Fragen der professionellen Zusammenarbeit zwischen Pfarrerinnen und Pfarrern und den ehrenamtlichen Behörden. Und es sind Fragen rund um schwindende personelle und finanzielle Ressourcen, die Kirchgemeinden, Pfarrpersonen und Kantonalkirchen immer mehr unter Druck setzen.
Die Rolle der PfarrerIn
Es sind Fragen, die vermutlich Pfarrerinnen und Pfarrer aller Generationen umtreiben. Denn seit einiger Zeit ist klar, dass die Rolle des Pfarrers und der Pfarrerin sich ändert. Nicht mehr das Amt trägt die Person, sondern die Person trägt das Amt. Das fordert Pfarrpersonen, die heute im Amt sind und Berufseinsteigende heraus. Es ist nicht mehr für alle einfach klar, wie die Rolle des Pfarrers und der Pfarrerin gefüllt wird, die gesellschaftliche Relevanz und das Ansehen schwinden. Es prasseln viele, oft unausgesprochene und manchmal auch unrealistische Erwartungen auf die Pfarrpersonen ein. Doch gesellschaftliche Trends und demographische Entwicklungen können wir nicht ändern, nur damit umgehen lernen.
Erfüllender Beruf
Ich denke, der Pfarrberuf ist und bleibt ein erfüllender und ein herausfordernder Beruf gleichermassen. Pfarrpersonen sind oft hoch intrinsisch motiviert und umso mehr kann die Realität in den Kirchgemeinden als zermürbend erlebt werden.
Kompetent und teamorientiert…ohne Profession
Viele Pfarrerinnen und Pfarrer ziehen es heute vor, Teilzeit zu arbeiten und viele Kirchgemeinden schreiben nur noch Teilzeitstellen aus. Immer weniger Pfarrpersonen mögen ins Pfarrhaus ziehen, sondern sie wohnen lieber privat – auch dies nutzen Kirchgemeinden als Chance und nutzen die Häuser um oder verkaufen sie. Viele Kantonalkirchen diskutieren die Wohnsitzpflicht für Pfarrpersonen. Ebenfalls diskutiert und vielerorts schon seit einiger Zeit praktiziert, sind Zeiterfassungssysteme und klar abgegrenzte Aufgaben des Pfarramts. Alles Anzeichen dafür, dass der Professionsgedanke und die «Totalrolle», in der Pfarrerinnen und Pfarrer lange waren, schwinden. Die Erwartung, dass die Pfarrerin und der Pfarrer «immer» ansprechbar sind, kann nicht mehr erfüllt werden. Ich vermute, dass bei vielen Menschen jedoch noch das Bild vorherrscht, dass die Pfarrperson doch «da zu sein hat». In diesem und anderen Widersprüchen finden sich viele (berufseinsteigende) Pfarrerinnen und Pfarrer.
Teilzeitpfarramt und der Abschied vom Professionsgedanken bringen verstärkt auch das Bewusstsein und den Willen mit sich im Team mit Sozialdiakonie, Religionslehrpersonen, Sigristinnen und Behördenmitgliedern sowie freiwilligen Mitarbeitenden das Kirchgemeindeleben zu gestalten. Weniger Allround- und Einzelpfarramt und mehr Teamarbeit, in die alle ihre Fähigkeiten und Talente einbringen können – auch dies alles ist nicht neu und wird vielerorts schon lange so gelebt, aber vielleicht wird es in Aus- und Weiterbildung neu diskutiert und verstärkt darauf fokussiert.
Eine andere Kultur – und eine bleibende Mission
«Es ist eine kirchliche Kultur, die verschwindet und sich ändert, nicht aber die Sache, nicht das Evangelium» so ähnlich hat dies jemand in einem Weiterbildungskurs formuliert. Mit der sich wandelnden kirchlichen Kultur, ändert sich auch das Pfarrbild – nicht aber die Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums.
Kirchen- und Pfarrbilder verändern sich. Manchmal bin ich traurig darüber und oft bin ich besorgt, unter wie viel Druck viele Pfarrerinnen und Pfarrer stehen, sowohl Berufseinsteigende als auch diejenigen, die mitten im Pfarralltag sind und diejenigen, die auch nach der Pensionierung Stellvertretungen übernehmen und vielerorts das Gemeindeleben aufrechterhalten.
Dann aber möchte ich auch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und vertrauen, dass nachkommende Pfarrerinnen und Pfarrer dem Evangelium verpflichtet ihre Rolle neu füllen.
Was brauchen Pfarrerinnen und Pfarrer heute an Weiterbildung? Was unterstützt sie im Berufsalltag, der neben den klassischen pfarramtlichen Tätigkeiten Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels, Veränderungen im Berufs- und Kirchenbild, sowie personeller und finanzieller Ressourcenknappheit birgt?
Es sind Fragen, die mich schon im Gemeindepfarramt beschäftigt haben und mich nun auch in der neuen Aufgabe umtreiben.
Komplexe Situationen
Oft scheinen es mir weniger die fachlichen Kompetenzen, die Not tun, denn diese wurden in Studium und kirchlicher Ausbildung mit (E)Ps und Lernvikariat erlernt und mit der Weiterbildung in den ersten Amtsjahren vertieft. Was beschäftigt sind die komplexen Fragen rund um die berufliche Rolle und die Entwicklung der Kirchgemeinde in Zusammenarbeit im Team mit weiteren kirchlichen Angestellten und Behörden. Es sind auch Fragen der professionellen Zusammenarbeit zwischen Pfarrerinnen und Pfarrern und den ehrenamtlichen Behörden. Und es sind Fragen rund um schwindende personelle und finanzielle Ressourcen, die Kirchgemeinden, Pfarrpersonen und Kantonalkirchen immer mehr unter Druck setzen.
Die Rolle der PfarrerIn
Es sind Fragen, die vermutlich Pfarrerinnen und Pfarrer aller Generationen umtreiben. Denn seit einiger Zeit ist klar, dass die Rolle des Pfarrers und der Pfarrerin sich ändert. Nicht mehr das Amt trägt die Person, sondern die Person trägt das Amt. Das fordert Pfarrpersonen, die heute im Amt sind und Berufseinsteigende heraus. Es ist nicht mehr für alle einfach klar, wie die Rolle des Pfarrers und der Pfarrerin gefüllt wird, die gesellschaftliche Relevanz und das Ansehen schwinden. Es prasseln viele, oft unausgesprochene und manchmal auch unrealistische Erwartungen auf die Pfarrpersonen ein. Doch gesellschaftliche Trends und demographische Entwicklungen können wir nicht ändern, nur damit umgehen lernen.
Erfüllender Beruf
Ich denke, der Pfarrberuf ist und bleibt ein erfüllender und ein herausfordernder Beruf gleichermassen. Pfarrpersonen sind oft hoch intrinsisch motiviert und umso mehr kann die Realität in den Kirchgemeinden als zermürbend erlebt werden.
Kompetent und teamorientiert…ohne Profession
Viele Pfarrerinnen und Pfarrer ziehen es heute vor, Teilzeit zu arbeiten und viele Kirchgemeinden schreiben nur noch Teilzeitstellen aus. Immer weniger Pfarrpersonen mögen ins Pfarrhaus ziehen, sondern sie wohnen lieber privat – auch dies nutzen Kirchgemeinden als Chance und nutzen die Häuser um oder verkaufen sie. Viele Kantonalkirchen diskutieren die Wohnsitzpflicht für Pfarrpersonen. Ebenfalls diskutiert und vielerorts schon seit einiger Zeit praktiziert, sind Zeiterfassungssysteme und klar abgegrenzte Aufgaben des Pfarramts. Alles Anzeichen dafür, dass der Professionsgedanke und die «Totalrolle», in der Pfarrerinnen und Pfarrer lange waren, schwinden. Die Erwartung, dass die Pfarrerin und der Pfarrer «immer» ansprechbar sind, kann nicht mehr erfüllt werden. Ich vermute, dass bei vielen Menschen jedoch noch das Bild vorherrscht, dass die Pfarrperson doch «da zu sein hat». In diesem und anderen Widersprüchen finden sich viele (berufseinsteigende) Pfarrerinnen und Pfarrer.
Teilzeitpfarramt und der Abschied vom Professionsgedanken bringen verstärkt auch das Bewusstsein und den Willen mit sich im Team mit Sozialdiakonie, Religionslehrpersonen, Sigristinnen und Behördenmitgliedern sowie freiwilligen Mitarbeitenden das Kirchgemeindeleben zu gestalten. Weniger Allround- und Einzelpfarramt und mehr Teamarbeit, in die alle ihre Fähigkeiten und Talente einbringen können – auch dies alles ist nicht neu und wird vielerorts schon lange so gelebt, aber vielleicht wird es in Aus- und Weiterbildung neu diskutiert und verstärkt darauf fokussiert.
Eine andere Kultur – und eine bleibende Mission
«Es ist eine kirchliche Kultur, die verschwindet und sich ändert, nicht aber die Sache, nicht das Evangelium» so ähnlich hat dies jemand in einem Weiterbildungskurs formuliert. Mit der sich wandelnden kirchlichen Kultur, ändert sich auch das Pfarrbild – nicht aber die Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums.
Kirchen- und Pfarrbilder verändern sich. Manchmal bin ich traurig darüber und oft bin ich besorgt, unter wie viel Druck viele Pfarrerinnen und Pfarrer stehen, sowohl Berufseinsteigende als auch diejenigen, die mitten im Pfarralltag sind und diejenigen, die auch nach der Pensionierung Stellvertretungen übernehmen und vielerorts das Gemeindeleben aufrechterhalten.
Dann aber möchte ich auch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und vertrauen, dass nachkommende Pfarrerinnen und Pfarrer dem Evangelium verpflichtet ihre Rolle neu füllen.
