Bunt und spirituell

IP-4-2022-Martin-Heimbucher (Foto: Mark Haltmeier)

Martin Heimbucher
Kirche ist bunt und spirituell – Die Pfarrerin aus Uganda, mit der wir zu Mittag assen, sie lud uns gleich ein zu einem Besuch in ihrem Land. Der Bischof aus Sri Lanka berichtete sehr persönlich, wie es sich anfühlt, als Kirche in der Minderheit zu sein. Die Kollegin aus Schweden, mit der wir in einer Kaffeepause zusammen sassen, sie teilte mit uns ihre Gedanken, wie schwierig es heute ist, Jugendliche für die Kirche zu gewinnen ... drei Beispiele für ganz viele Gespräche beim ÖRK Welttreffen Anfang September in Karlsruhe. Bunt waren auch die gemeinsamen Gebete, die aus der Fülle ganz verschiedener christlichen Traditionen schöpfen konnten. Wir erlebten, wie Orthodoxe, Orientale, Lutheraner, Anglikaner und Pfingstler feiern. Wenn alles zusammen kam – wie im Schlussgebet, konnte es sein, dass das Halleluja nacheinander auf eine asiatische, eine afrikanische und auf eine Melodie aus der Ukraine gesungen wurde.
Kirche stellt sich den Problemen der Zeit – Ja, das bedrängende Thema des Ukrainekrieges bewegte die ca. 4000 Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmer auch. Zum Abschluss der Tage verurteilte die Vollversammlung den russischen Angriffskrieg als „illegal und nicht zu rechtfertigen“. Der Wunsch aber war spürbar, dass es vielleicht doch zwischen den ukrainischen und russischen Orthodoxen, die ja beide Vertreter geschickt hatten, zu Kontakten gekommen ist. Wir wissen es nicht. Jedenfalls, so die Überzeugung der Mehrheit, muss Kirche auch Gesprächsräume zwischen Gegnern, gar Feinden, offen halten.
Kirche leidet mit – Im Zentrum des theologischen Nachdenkens stand die mitfühlende Liebe Christi und wie sie die Welt zur Versöhnung und Einheit bewegt. Die Felder, wo das dringend nötig ist, wurde in den Morgenversammlungen auf eindrückliche Weise mit Beiträgen aus aller Welt deutlich gemacht: Ein besonderer Fokus lag auf der Klimakrise. Vor allem die Vertreter von indigenen Völkern, sei es aus Lappland, der Karibik oder dem Pazifik, stellten uns vor Augen, wie gerade sie mit den direkten Folgen des Klimawandels konfrontiert sind. „Uns läuft die Zeit davon“ - dieser Satz steht mehrfach in der Botschaft zur Klimakrise, der am Schluss der Tagung verabschiedet wurde. Hoffnungsvoll zu sehen war, in den Workshops am Nachmittag, wie sich gerade die jungen Leute weltweit vernetzen, um die Probleme der Geschwister in allen Teilen unserer Welt deutlich zu machen und sich für sie einzusetzen.
Kirche hat Zukunft – das haben wir gespürt, wenn sie angesichts der globalen Schwierigkeiten der einen Welt zusammensteht und aus der Mitte der ihr anvertrauten Botschaft für die an den Rand Gedrängten eintritt. Vielleicht bewegt der ökumenische Geist auch uns.
Bereitgestellt: 18.11.2022    
 
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