Echos aus einigen Sektionen

IP-2-2022-Jean-Eric-Bertholet (Foto: Mark Haltmeier)

Die Delegiertenversammlung der SRPV ist immer die Gelegenheit voneinander zu hören. Wir hören da von den verschiedenen Kantonalkirchen und bekommen so eine eindrückliche Gesamtschau. Das wusste auch unser zurücktretendes Mitglied Kurt Veraguth (GE) zu schätzen, der nach 9 Jahren im Vorstand des SRPV nun pensioniert wurde.
Jean-Eric Bertholet
Im Anschluss an den Jahresbericht unseres Vorstands fragte Karin Phildius (NE), «wie weit der Pfarrverein seine Mitglieder vor letztlich den Ruf der Kirche schädigenden, ausufernden, in der Öffentlichkeit ausgetragenen Konflikten schützen kann (Standesregeln, Rechtsschutz?)», eine Frage, die uns stark bewegt hat und die weiter angeschaut und diskutiert werden sollte. Die Möglichkeiten des Vorstands sind allerdings beschränkt. Ein Austausch zwischen den Sektionen könnte befruchtend sein, denn die verschiedenen Kantonalkirchen kennen unterschiedliche Hilfsangebote. So vertritt in Neuchâtel die «Association des employés» die beruflichen Interessen der Arbeitnehmer; dagegen fördert die SPMN (Société des Pasteurs et Ministres Neuchâtelois) vor allem den theologischen Austausch.
Im Kanton Bern bringt die Beratungsstelle des Berner Pfarrvereins, die gleichzeitig von der Kantonalkirche und vom Berner Pfarrverein getragen wird, von allen geschätzte Hilfsangebote. Der Pfarrverein, z.T. zusammen mit der Landeskirche, fördert u.a. die ekklesiologische Diskussion, dazu sind die meisten Pfarrpersonen via Pfarrverein auch Mitglieder des Bernischen Staatspersonalverbands BSPV (als Gewerkschaft).
Im Thurgau freute sich der Pfarrverein über die freundliche Haltung einer Kirchenrätin, die nachgefragt hatte, wie es den Pfarrpersonen ginge und was sie wohl bräuchten. Auch da stellte man sich Fragen über die Bedeutung des Pfarramts (Vorträge von Peter Opitz und Wilfried Bührer). Andererseits war der Vorstand besorgt um Grenzverletzungen seitens eines Konfirmandenvaters gegenüber einer Pfarrperson. Denn Pfarrpersonen können auch Opfer sein…
Welches Gremium soll uns zusammenführen? Im Kanton St Gallen gibt es keinen richtigen Pfarrverein und es sind wohl die drei verschiedenen Pfarrkapitel (Rheintal, St. Gallen und Toggenburg), die dem Zusammenschluss und der Gemeinschaft der Pfarrpersonen dient. Eine ähnliche Spannung zwischen Pfarrkapiteln und Pfarrverein findet man in Zürich. Dort soll im Sommer ein neuer Vorstand gewählt werden, der den Pfarrverein neu ausrichten wird.
Aargau feierte am 30. April dieses Jahres 200+1 Jahre des aargauischen Pfarrkapitels. Der langjährige Präsident des aargauischen Pfarrvereins, Matthijs van Zwieten verlässt nun die Schweiz Richtung Norddeutschland und wird von Pfrn. Dr. theol. Christine Stuber ersetzt.
Im Kanton Waadt hat sich eine Gruppe junger Pfarrpersonen und Diakone konstituiert, die gegen das Gefühl der Einsamkeit und der Verlassenheit kämpfen und Solidarität und Unterstützung zwischen Gleichaltrigen in Gang setzen möchte. Sie will sich den schwierigen und belastenden Seiten des Dienstes (Angestellte und Freiwillige) in einer Kirche stellen und Orte des Zuhörens und des Austausches anbieten. Die Gruppe nennt sich „BanJo“. Ihre Mitglieder unterstützen sich gegenseitig auf einer Discord-Plattform. Der Vorstand dieser Gruppe arbeitet auf der Basis einer „gouvernance partagée“. Sie teilen Fragen, Frustrationen, Wut, Sorgen und Leid miteinander, die sie nun ablegen können, um dann Handlungsoptionen zu entwickeln. Vom Gefühl „On en a gros“ (Überforderung, hohe Belastung, Trauer) her lässt sich das Team von den Verben Weinen, Träumen und Handeln inspirieren. Eine Initiative, die der Vorstand des waadtländischen Vorstands sehr begrüsst hat. BanJo versucht Lust zu machen, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Wege der Zusammenarbeit zu erkunden (Träumen, Handeln).
Der Luzerner Pfarrverein hat sich über die neue Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann gefreut, mit der richtige Frauenpower in der Landeskirche Einzug gehalten hat. Lilian Bachmann kümmert sich besonders um Themen von Pfarrerinnen, lädt regelmässig zu einem Pfarrerinnentreff ein und will sich auch in der EKS engagieren. Allerdings ist auch im Kanton Luzern die Knappheit der Ressourcen zu spüren. Bei Neubesetzungen werden Pfarrstellen gekürzt. Einige konnten schon seit längerer Zeit nicht mehr besetzt werden (wie z.B. Gemeinde Wolhusen und das Spitalpfarramt Sursee-Wolhusen).
Im Kanton Zug hat die neu besetzte Kommunikationsstelle der kantonalen Landeskirche ein neues Kommunikationskonzept erarbeitet. Insbesondere die horizontale Kommunikation muss intern gefördert werden. Denn die Kirche kommuniziert viel zu sehr von oben nach unten… meinte die Expertin, die gerade vom grossen Basler Unternehmen Roche kam… Erfreulich ist auch, dass das Zuger Kantonsparlament im Sommer 2021 mit 50:21 Stimmen eine Motion für nicht erheblich erklärt hat, die verlangte, juristische Personen von der Kirchensteuer zu befreien. So sind zunächst die Staatkirchen erleichtert – wohl im Bewusstsein, dass das Thema in einigen Jahren wiederkommen könnte.
Freundliche Grüsse wurden uns von Raphael Bachmann (Dachverband Sozialdiakonie) und Werner Habegger (Pfarrsolidaritätsfonds) gebracht, der die Bedeutung der Solidaritätsstiftung hervorhob (knapp 170‘000 Franken durften so letztes Jahr an 33 Pfarrpersonen verteilt werden (u.a. 22 in Neuchâtel und 7 in Genf), um die Auswüchse der interkantonalen Lohnungleichheit etwas zu mildern) – ein herzlicher Dank an die GeberInnen!

Nach dem Weggang unseres Vorstandsmitglieds Kurt Veraguth würde sich der Vorstand freuen, neue VertreterInnen der verschiedenen Sektionen aufzunehmen. Kandidaten aus Genf und aus der Waadt haben bereits ein Interesse angemeldet. Sowohl das Amt des Kassierers als auch das Präsidium unseres Vorstands sollen bald neu besetzt werden, denn unser sehr engagierter Vizepräsident, Hansjakob Schibler, der obwohl so engagiert schon pensioniert ist, denkt, dass eine solche Funktion von einer aktiven Pfarrperson ausgeübt werden sollte. Auch unser Kassier Arnold Wildi, der schon bald zwanzig Jahre dabei ist, ist nun pensioniert und braucht einen Nachfolger.
Bereitgestellt: 17.06.2022     Besuche: 5 heute, 62 Monat
 
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