QUO VADIS PFARRER-IN? Ein Amt im Umbruch! Worauf beruht es?

IP-4-2021-Martin-Hauser (Foto: Mark Haltmeier)

Das Pfarramt kann uns viel Freude bereiten! - Eine wichtige und immer wieder gefragte Person zu sein erfüllt das Leben und ist sinnstiftend. Mit und in diesem Amt kann man Glück empfinden. Die mit anderen Menschen geteilte Freude in verschiedensten Lebenssituationen trägt stark zu diesem Glücksgefühl bei.
Martin Hauser
Indessen ist dieses Amt seit jeher nicht nur mit der Freude, sondern auch mit dem Leiden und den Abgründen menschlicher Existenz konfrontiert. Aber auch da, wenn es eine Möglichkeit zu trösten, ein Anstoss, zu überwinden und sich zu heilen, gibt, können Genugtuung und ein tiefes Empfinden von Sinnhaftigkeit Pfarrpersonen Erfüllung bringen.
Trotzdem gibt es Situationen, in denen wir auch als Pfarrer-innen, weder Sinn noch Antworten zu finden vermögen - und abgeschlagen und deprimiert bleiben. Uebrigens kommen die Schwierigkeiten nicht allein von den ‘grossen Schlägen im Leben’, sondern auch von den Schwierigkeiten mit Kolleg-innen, mit einem Kirchgemeinderat, anderen Behörden oder Personen, die direkt mit der Kirche verbunden sind oder auch nicht, einem persönlichen Gesundheitsproblem, usw...

Eine bedeutende Eigenart
Im Vergleich mit dem Verständnis und der Wirklichkeit des Dienstamtes in den - grossen - Schwesterkirchen, wie der orthodoxen, der römisch-katholischen, der anglikanischen und noch der christ-katholischen Kirche, sind die protestantischen und insbesondere die reformierten Amtsträger-innen dem konkreten Leben der Menschen in der Gesellschaft sehr nahe - einer Gesellschaft, die sich enorm verändert hat und weiterhin verändert. Auch das Frauenpfarramt in den reformierten Kirchen hat teilweise gerade damit zu tun. Und heute auch die Art, wie reformierte Kirchen in der Schweiz mit der ‘Ehe für alle‘ umgehen, ist eine klare Demonstration ihrer nahen Berührung mit der Gesellschaft und ihrer Entwicklung. All dies bedeutet eine grosse Aufmerksamkeit für das Leben der Menschen seitens dieser Kirchen und auch ihrer Pfarrpersonen.

Unumgängliche Fragen
Diese Situation, sobald sie wohl identifiziert und verstanden ist, führt zu einer Reihe von existentiellen Befragungen für uns, die Pfarrer-innen, wie zum Beispiel:
- Wie kann ich als Pfarrer-in mit der Entfernung von den mehr traditionellen Grundlagen, die lange für Verständnis und Wirklichkeit des Dienstamtes, auch des reformierten, bedeutend waren, umgehen?
- Wie kann ich mit dem Rückgang des Christentums und der Schwächung der christlichen Kirchen in der Schweiz in meiner Amtsfunktion zurecht kommen?
- Habe ich denn als Pfarrer-in noch eine klare Identität?
- Falls dies nicht so sehr der Fall ist, wie kann ich denn da mit der Unsicherheit auskommen, die sich zweifellos auf geistlicher, psychologischer, administrativer, institutioneller und theologischer Ebene niederschlägt ?
- Sind es etwa meine Ordination zum VDM und mein Bezug zu den im Neuen Testament erscheinenden Dienstämtern, die mich leiten und stärker machen können?
Bereitgestellt: 19.11.2021    
 
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