Auf geht’s! los!

IP-4-2021-Agnes-Thuegaz (Foto: Mark Haltmeier)

André Chouraquis Übersetzung der Seligpreisungen zeigt, wie dynamisch das Glück ist, Gottes Kinder in der Nachfolge Christi zu sein. Es ist ein Aufruf zu ständiger Bewegung, im Innern und im eigenen Umfeld. Der Dienst an Gottes Wort setzt ein aktives Zuhören voraus, das eineN in Bewegung versetzt.
Agnès Thuégaz
Zum Aufbruch in den Tag bereit
Wie ist eine heutige Theologie der Ämter zu denken? Beim Wandern wie im Leben ist die Vielfalt der Landschaften, der Wege und der Rhythmen grenzenlos. Um voranzukommen sind Aufmerksamkeit, Durchhaltevermögen und Geschmeidigkeit gefragt. Durch Studium und Weiterbildung ahnen wir, wie sehr zeitfressende Routine, Sicherheitsdenken oder Entmutigung das Weiterkommen verhindern. Sich jeden Morgen von Neuem vorbereiten und den Aufbruch wagen, im Bewusstsein der eigenen Stärken und Schwächen, bescheiden und wissensdurstig! Ballast abwerfen, sich freimachen, verfügbar sein; mit der nötigen Ausrüstung, nicht mehr und nicht weniger.

Kirche: ein Netz von Leuten auf Wanderschaft
Was für eine Ekklesiologie braucht die Gegenwart? Gemeinschaft besteht aus Bewegung. Gemeinsam Kirche sein heisst, punktuell innezuhalten – um zu beten, Gottes Wort zu hören, zu teilen, zu lachen und zu weinen. Um dann wieder aufzubrechen in unsere jeweilige Wirklichkeit, um dort Zeuge zu sein.
Als AmtsträgerInnen leben wir vom Hin und Her zwischen Zeiten des Rückzugs, der Stille und der Einsamkeit und Zeiten der Begegnung. Dieses Ein- und Ausatmen erlaubt es, zugleich zentriert und durchlässig zu bleiben. Sichtbare und unsichtbare Kirche gleichen einem Netz, in dem man aktiv Beziehungen schafft, die Gemeinschaft sichtbar macht, zum Vertrauen ermutigt und zum Leben im Vertrauen ermächtigt. Eine lebendige Gemeinschaft beruht auf einer horizontalen und partizipativen Funktionsweise, die auch durch die AmtsträgerInnen vermittelt wird.

Christus am Horizont
Hinausgehen, die Privatsphäre verlassen, um Weg und Steg zu erkunden, kann ungemütlich sein. Aber war denn Jesus selbst auch nicht unterwegs? Es ist Zeit, sich ergänzende Modelle der Vielfalt zu wagen, uns für kurze Einsätze zu engagieren, den Austausch zu fördern. Einfachheit zu lernen ermöglicht es, das Grundsätzliche zu bewahren: Präsenz, die ein Zeichen setzt, die intime Begegnung mit Gott, und, in aller Bescheidenheit, die Begegnung von Mensch zu Mensch, mit dem andern in seiner eigenen Wirklichkeit.
«Er geht euch voraus nach Galiläa» (Markus 16,7). Christus erwartet uns da, wo er gegangen ist, gepredigt und geheilt hat. Sein Tod und seine Auferstehung stellen sein Leben, seinen Auftrag in ein radikal neues Licht. Wir sind aufgerufen, von der Gabe des Lebens zu leben, hier und jetzt, und in der Hoffnung auf das zu verharren, was einst vollkommen sein wird. Hinter jeder Wegbiegung riskieren wir es, auf Elend, Not, Hoffnungslosigkeit zu stossen. Doch ebenso gut kann es sein, dass wir an einem Fest, einem Bankett teilnehmen können, in fröhlicher Ausgelassenheit. Und überall wird er schon da sein.
Bereitgestellt: 19.11.2021    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch